Zurück im Büroalltag – Kita Kind und “Working Mum”

Wie schaffst du das alles? Das fragte mich letztens eine Freundin. Ich schaffe aber ja gar nicht alles. Hausarbeit steht jetzt ganz hinten an. Denn alles super organisiert unter einen Hut zu bekommen, Kind, Küche und daneben noch toughe Working Mum – dazu bin ich offensichtlich nicht geeignet.

Aber fangen wir von vorne an. Ich will euch erzählen, wie sich meine ersten Tage zurück im Büro angefühlt haben und wie das mit der Kita Eingewöhnung so ist.

Kita Eingewöhnung – schwerer als gedacht

Noch zwei, drei Tage bevor es ernst wurde habe ich mir überhaupt nicht vorstellen können, dass der Kleine im entferntesten Probleme damit haben könnte, für ein paar Minuten oder auch Stunden von mir getrennt zu sein. Er hatte gerade eine richtig gute Phase. Auf dem Spielplatz hat er nach seinen obligatorischen 10 bis 15 Minuten “Lage checken und in der Nähe bleiben” überhaupt keine Hemmungen mehr gehabt, sich (scheinbar) ganz alleine auf den Weg in die verstecktesten Winkel zu machen. Und umgekehrt habe auch ich gedacht, dass ich mich auf das Programm, die Abwechslung freue.

Dann kam die Realität.

Allen Eltern, Mamas und Papas, denen die Eingewöhnungsphase noch bevor steht: wappnet euch. Es wird hart und es geht ganz arg ans Herz. Sobald Noah zum ersten Mal verstanden hat, was es bedeutet, wenn ich mich von ihm verabschiede, hat er fürchterlich geweint. Also wirklich fürchterlichst herzzerreissend. Anklagend! Und traurig…

Kita Kind Spiel Working Mom

Kita Kind bei der Arbeit

Ganz ehrlich: in diesen Momenten habe ich alles in Frage gestellt. Ich saß in der Garderobe und habe ihn drinnen schluchzen gehört und war drauf und dran alle Vernunft abzuwerfen, hineinzustürmen und mir mein Kind wieder zu schnappen.

“Was macht ihr da mit unseren Kindern?” fragte kürzlich die Zeit. Von “dramatischen Missständen” in Kindertageseinrichtungen war in dem Bericht die Rede.

Ich wische die Bedenken beseite. Drinnen wird es stets nach wenigen Minuten ruhig. Ich höre ihn munter plappern. Und schließlich haben wir uns unter anderem für diese Kita entschieden, weil uns Nachbarn vorgeschwärmt haben und der erste Eindruck absolut von Wärme und Fröhlichkeit geprägt war. Auch nachdem ich Tag für Tag immer wieder als stumme Begleitung Noahs dabei war, konnte ich sehen, wie liebevoll die Erzieherinnen mit den Kleinen umgehen. Also. Weitermachen.

Die Professorin Elisabeth Ahnert von der Uni Wien erklärt, dass Kinder im zweiten Lebensjahr auch in der Kindertagesstätte Bezugspersonen brauchen:

Wir haben mehrere Studien durchgeführt, in denen wir beobachtet haben, inwieweit einjährige Kinder auch zu einer Erzieherin eine enge Bindung aufbauen. Es zeigte sich, dass sich die Kinder nach einer Eingewöhnungszeit darauf freuten, mit ihren Erzieherinnen zusammen zu sein (…).

Viel wichtiger als fancy Spielzeug und moderne Technik ist eine enge Beziehung der Erzieher*innen zu den Kindern. Dass die Erzieher*innen sich für die Kleinen Zeit nehmen können und sie nicht untergehen. Ohne diese Grundbedingung haben sie Stress – und das kann ein Leben lang Spuren hinterlassen.

Heute, genau sechs Wochen nach Start der Eingewöhnungsphase, geht es Noah richtig gut in der Kita. “Er ist angekommen,” meinte seine Erzieherin zu mir, während der Kleine gerade mit den anderen Kindern am Tisch sitzt und fröhlich an seiner Paprika knabbert. Sein Gefühl stimmt also. Und mein Bauchgefühl sagt mir auch, dass alles gut ist.

Zwei Welten: mein Start als “Working Mum”

Noah ist also gut angekommen. Und auch ich habe einen neuen Alltag.

Vorab habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Wie wird es sein, mit so wenigen Stunden und weniger Aufgaben? Werde ich mir vorkommen wie ein Hilfswichtel? Werde ich mich mit dem Kopf voll auf die Arbeit einlassen können? Und wie anstrengend wird es werden?

Working MumMorgens stehe ich jetzt zum Teil vor Noah auf – unglaublich eigentlich. Aber es klappt richtig gut. Wir haben uns gut organisiert und bislang konnte ich täglich pünktlich um halb 9 den Rechner hoch fahren.

Jetzt weiß ich: es macht großen Spaß, von sich selbst heraus Arbeiten zu vollbringen, die nichts mit Windeln und Co zu tun haben. Ich schaffe es, mich auf meine Aufgaben zu fokussieren.

Das liegt sicher daran, dass ich den Erzieherinnen in der Kita vertraue und weiß, dass Noah dort gut aufgehoben ist. Ich kann loslassen.

Naja fast.

Mit Blick auf die Uhr denke ich ab und zu an meinen Muckel und denke mir, was er wohl gerade macht. 11 Uhr Mittagessen. 12:30 Uhr Mittagsschläfchen. Und so weiter. Aber immer nur für ein paar Augenblicke.

Übrigens bin ich richtig gut wieder im Team und meiner Chefin (sie hat selbst 5 Kinder – muss ich mehr sagen?) aufgenommen worden. Ich weiß – nicht alle haben das Glück mit einem verständnisvollen Team arbeiten zu können. Das ist verdammt viel wert.

Das einzige, woran ich vielleicht noch etwas zu knabbern habe, ist mit diesen zwei Welten klar zu kommen. Vormittags volle Leistung im Büro, nachmittags Action mit dem Wirbelwind. Ein bisschen verwirrt und verdaddelt fühlt sich das an. Aber tatsächlich nicht stressiger als vorher. Ich mache eben Abstriche beim Haushalt. Der muss dann ab und zu eben warten.

Liebe Mamas, meine Bitte an euch: erwartet nicht zu viel von euch. Versucht nicht alles perfekt zu machen.

Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) weist darauf hin, dass das raue Klima in der Arbeitswelt besonders Frauen zu schaffen macht, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dauerstress, Burn-out oder Depressionen – der Befund der Experten ist dramatisch.

(Quelle: http://www.eltern.de/)

Familienalltag ist turbulent. Schlaf Mangelware. Ihr müsst täglich Erwartungen erfüllen, nicht zuletzt eure eigenen. Vergesst aber bei all dem nicht: Perfekt ist, wenn es euch gut geht – die Kleinen werden es euch viel mehr danken, als glatt gebügelte Hemden.

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