Mein Baby ist Bauchschläfer – so what?!

“Ihr Kleiner hat aber einen wachen Blick,” meinte drei Tage nach Noahs Geburt eine Krankenschwester. Sie sollte nicht die einzige bleiben. Eines war der Kleine jedenfalls nie: ein Schlafbaby. Ihr wisst schon: die, die gemütlich einschlafen, sobald sie eben müde werden. Das gab es bei uns schlicht nie. Loslassen fiel ihm schwer. Bis er schließlich vollkommen übermüdet und überreizt war. Aber hey – warum auch einfach die Augen zumachen. Es gibt so viel zu sehen.

Wir haben so ziemlich alles versucht.

img_3433Ich habe ihm Lieder vorgesummt und Herztöne abgespielt. Die Geräusche haben ihn wohl eher interessiert, als müde gemacht. Wir haben ihm Schnuller angeboten, die er mit Empörung ausgespuckt hat. Wir haben ihn teils bis zu einer Stunde versucht auf dem Arm in den Schlaf zu wiegen, was meistens irgendwann geglückt ist. Aber wisst ihr, wie schwer so ein kleines Kilopäckchen irgendwann auf dem Arm wird? Auch Pucken haben wir ausprobiert. Manchmal mochte er es, manchmal hat er sich damit nicht wohl gefühlt. Also weg mit dem Pucksack. Am besten lief es damit, ihn ins Tragetuch zu nehmen. Allerdings musste er da dann auch bleiben, ablegen ging gar nicht klar. Das Ablegen war im Grunde auch Teil des Problems. Habt ihr schon einmal vom Moro-Reflex gehört? Der war bei unserem Kleinen enorm stark ausgeprägt. Immer wenn er auf dem Rücken lag und schlief, hat er nach einigen Minuten oder maximal einer halben Stunde ganzschön feste mit den Ärmchen gezuckt, sich damit selbst aufgeweckt und ist fürchterlich erschrocken.

Und hallo wach.

Wieder von vorne das ganze Spiel.

Ich kann nur sagen: das war verdammt anstrengend. Ein übermüdetes Baby ist alles, aber kein Gute-Laune-Bärchen.

Die Lösung: das geliebte Baby ist Bauchschläfer

Irgendwann hatten wir mehr und mehr den Dreh raus, was das in den Schlaf bringen anbelangte. Wir blieben aus einem Mix aus Tragetuch und in den Schlaf wiegen (später legten wir uns zusammen mit ihm in ein Bett und stellten uns schlafend). Aber unser kleines “Moro-Männchen” weckte sich tagsüber nach wie vor teils nach 20 Minuten auf und war dann ganzschön unzufrieden mit der Welt. Ein schöner Beitrag zu dieser Problematik ist auch auf diesem Blog zu lesen: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de. Darin schreibt die Wunschkindmama:

Selbst wenn das Ablegen gelingen sollte – nach regelmäßig 20 bis 50 Minuten wacht das Kind trotzdem wieder auf und findet nicht wieder in den Schlaf, obwohl es offensichtlich keineswegs ausgeschlafen ist.

img_4106Unsere persönliche “Lösung” kam eigentlich letzten Endes von meiner Hebamme Sissi Rasche. Es war während einer ihrer Wochenbett Besuche wieder einmal soweit. Noah war zutiefst unglücklich und müde. Und ich ganzschön im Eimer, müde, ausgelaugt (machen wir uns nix vor – so zauberhaft die erste Zeit auch ist, aber sie kann auch echt an die Substanz gehen). Da schlug sie mir vor, etwas auszuprobieren. “Leg ihn auf den Bauch und klopfe ganz sanft auf seinen Windelpopo.” Ein paar Minuten und das Kind schlief selig. Und das Beste: der Moro-Reflex konnte ihn in Bauchlage nicht ärgern. Er hatte ja einen festen Untergrund unter den Händen.

Bauchlage – alle Alarmglocken schrillen

Die Geschichte könnte an dieser Stelle vorbei sein. Könnte. Aber wir alle gut informierten Mums wissen: es gibt goldene Regeln, um das Baby vor dem plötzlichen Kindstod (SIDS) zu bewahren, bzw. das Risiko zu minimieren:

  • keine Kissen, Decken, Kuscheltiere ect. ins Bettchen,
  • das Baby vor Überhitzung schützen,
  • es sollte im Zimmer der Eltern schlafen,
  • Rauchen ist schädlich,
  • bis zum 6. Monat sollten die Babies voll gestillt werden
  • und last but not least: sie sollten unbedingt in Rückenlage schlafen.

Abend für Abend lag ich besorgt wach, habe das Internet durchforstet, Horrorgeschichten gelesen und dem Baby beim Atmen zugehört. Nachts bin ich mit rasendem Herzen aufgewacht: atmet er noch?! Reaktionen von einzelnen Bekannten haben die Panik noch verstärkt. Die meisten anderen (Familie, Freunde, Hebammen, Kinderärztin) jedoch haben versucht, mich wieder auf den Teppich zu bringen – auch das sei gesagt. Trotzdem: Ich war stellenweise gelinde gesagt runter mit den Nerven. Aber das Kind schlief. Zumindest halbwegs – vom Durchschlafen war er damals natürlich noch meilenweit entfernt.

Alles eine Frage der Abwägung

img_4114Mit der Zeit wurde ich ruhiger. Zum einen lag es daran, dass Noah sehr früh schon sein Köpfchen in Bauchlage heben und drehen konnte. Hochhieven und drehen folgten bald. Er gehörte auch nie zur einer der besonderen Risikogruppen für SIDS.

Zum anderen aber lag es schlicht und ergreifend daran, dass ich mich rational an ein paar Dinge erinnern musste: 0,04 Prozent aller Kinder in Deutschland sterben leider an der Ausschlussdiagnose plötzlicher Kindstod. Das ist tragisch und zutiefst traurig. Aber: 0,04 Prozent ist sehr, sehr selten.

Und eines wurde mir mehr und mehr klar: Der plötzliche Kindstod ist keine Todesursache. Bis heute weiß man nicht genau, was da eigentlich passiert. Er ist eine Ausschlussdiagnose. (Mehr dazu habe ich hier gelesen: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/ – das hat mich durchaus nachdenklich gemacht)

Bauchschlafen ist keine Todesursache, die Schlaflage ist einer von mehreren statistischen Risikofaktoren.

Der Kinderarzt und Buchautor Dr. Martin Beck empfiehlt Eltern

deren Babys nur auf dem Bauch entspannt einschlafen, zugunsten der Lebensqualität an diesem Verhalten des Babys festzuhalten: “Voraussetzung ist aber, dass es sonst ganz gesund ist.”

(Quelle: http://www.fem.com/)

Macht euch nicht verrückt und lest nicht so viel im Internet wie ich es damals gemacht habe (das hat mich wirklich ganz kirre gemacht – never again).  Hört auf euer Bauchgefühl. Ihr wisst ganz tief drin, was für euer Kind das Richtige ist.

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There are 5 comments

  1. Stefanie

    Ach, da bin ich wahrscheinlich die falsche Leserin, aber weißt du denn, dass dein Spatz 100%ig gesund ist?
    Ich hätte es mich einfach nie getraut, meinen Zwerg auf Bauch schlafen zu lassen.
    Aber ist schon klar, nicht schlafen ist natürlich auch keine Lösung…

    1. Sabine Ponath

      Danke für deinen Kommentar. Du sagst es: nicht schlafen ist auf Dauer schwierig. Das Bauchschlafen haben wir vorab mit der Kinderärztin besprochen. Für Noah war es scheinbar das, was er gebraucht hat und was ihm geholfen hat.

  2. Katharina

    HALLO !

    Auf der Suche nach einer Lösung (nachdem mein Kind nun wieder 3 Stunden gebrüllt har) kam ich gerade todmüde auf diese Seite. …. und war so dankbar.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ida (meine schrecklich goldige, zickige liebste Maus) schläft am liebsten auf mir! Oder aif dem Bauch. … Seit tagen gibt es abends nur Gebrüll. ..Dann ist alles doof. Tragen , liegen, singen…alles. Und schlafen sowieso.
    Wenn sie doch mal im Arm einschläft, dann nur bis man sie hin legt. . Ich bin nervlich am Ende.jetzt schläft sie wieder auf mir.. und ich überlege auch schon länger ob ich sie nachts auf den Bauch lege. Aber ich bin echt ängstlich. .
    Sie kam 4 Wochen zu früh, aber es geht ihr super gut.
    Trotzdem. ..Ich bin unsicher. …
    Dein Beitrag gefällt mir sehr gut und hat mich noch unsicherer gemacht.. Vielleicht probiere ich es doch mal :-)… Liebe Grüße !
    Katharina

    1. Sabine Ponath

      Hey meine Liebe, vielleicht kannst du ja mal deine Hebamme um eine Einschätzung bitten oder deine Kinderärztin? Ich erinnere mich noch so gut an diese anstrengende Phase… Das zehrt wahnsinnig. Ich wünsche dir, dass ihr bald eine gute Lösung für euch findet. Alles Liebe, Sabine

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