Gastbeitrag: “How to be Fern-Tante” – Über Familien Fernbeziehungen

Gerade erst vorgestern ist sie wieder abgereist, meine Schwester Tina. Wir haben großes Glück mit unseren Familien. Sie sind unfassbar liebevoll mit dem Kleinen, interessiert an seinem Leben bis ins kleinste Detail und immer für ihn und uns da. Das ist bestimmt nicht bei allen so.

Aber leider leben unsere Verwandten alle im Süden, mindestens 600 Kilometer von uns entfernt. Ein Nachmittag, an dem der Kleine mal spontan zur Oma geht und wir Zeit als Paar haben? Fehlanzeige… Oder mal von der Kita abholen? Geht eben nicht. Man richtet sich damit ein und findet seinen Alltag trotzdem okay. So eine Fernbeziehung zur Familie ist für viele Eltern heute Lebensrealität. Man lebt nicht mehr automatisch da, wo man selbst zu Welt gekommen ist. Es ist ja auch irgendwie schön, dass man heute so frei sein kann. Trotzdem versuchen wir mit regelmäßigen Video Telefonaten und Besuchen eine Nähe zwischen dem Kleinen und der Familie herzustellen. Scheinbar klappt das auch. Er erkennt sie quasi direkt, freut sich aufs Telefonieren und hat beim Wiedersehen kaum eine Scheu.

Ich hab Tina gebeten, mir diese Fernbeziehung mal aus ihrer Sicht zu schildern. Denn nicht nur für uns ist es oft schade oder kompliziert ohne direkte Familienanbindung zu leben – auch für unsere Familien ist es alles andere als einfach. Danke, Tina, für diesen schönen Gastbeitrag!

Mehr von meiner Schwester könnt ihr übrigens auf ihrem wunderschönen Blog “ichbinsdietina” lesen.


How to be Fern-Tante

Meine Schwester Tina und Noah

Meine Schwester ist Mama. Leider lebt sie in Berlin. Uns trennen fast 600 Kilometer. Dabei bin ich doch jetzt auch Tante! Die Distanz zu meinem Neffen Noah ist ein Graus, denn er ist wohl das niedlichste kleine Purzelchen, das ich kenne. Deshalb sitze ich auch gerade im Zug nach Berlin, Tanten-Besuch!

Ich wäre gerne da gewesen, um alles in Echt mitzuerleben.

Meine Schwester und ich hatten leider kein so ein gutes Wohnort-Timing. Als ich nach meinem Studium von Augsburg nach München zog war sie kurz zuvor in die Hauptstadt ausgewandert. Mindestens einmal im Jahr besuchte ich sie dort und so war ich durch Zufall auch gerade da, als die Existenz meines Neffen in ihrem Bauch bemerkt wurde, meine Schwester war schwanger! Nun war ich erst einmal Geheimnishüterin. Per Whatsapp wuchs und wuchs der Bauch und das kleine Baby darin heran. Ich wäre gerne da gewesen, um alles in Echt mitzuerleben.

Der Geburtstermin und mein Tanten-Dasein rückten immer näher. Als die Wehen einsetzten war ich viel zu weit entfernt in meinem Wohnzimmer und betrachtete den Sonnenuntergang durch mein Balkonfenster. Die Nacht in München war ruhig, zu ruhig. Keine Nachricht auf dem Handy. Noah wollte und wollte einfach nicht kommen! Am nächsten Morgen war das Wunder vollbracht und die ersten Babyfotos erreichten mich.

Es ist verrückt! Oft zeigen mir Bekannte und Freunde Fotos von zerknautschten Frischgeborenen und meist entsteht eine verzwickte Situation, denn so „süüüüüß!“ sind diese Babys oftmals nicht. Anders mein Neffe. Er ist so süß! Das habe ich in den letzten Wochen und Monaten auch oft genug meinen Bekannten und Freunden gezeigt. Genug Bildmaterial habe ich ja, als Fern-Tante. Skypen können wir nur selten, da der Kleine oft schon ins Bett muss, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Aber in unserer Familien-Whatsapp-Gruppe landen fast täglich Fotos und Videos. Mein Handy-Speicher ist immer komplett ausgelastet, denn löschen kann man diese niedlichen Augenblicke aus Noahs Leben nur mit größter Überwindung.

Ich will nicht, dass er mich nur durch einen kleinen leuchtenden Kasten kennenlernt.

Tante Familie Liebe Neffe

Tante und Neffe beim konzentrierten Spiel

Seit Noah da ist bin ich regelmäßiger Gast in Berlin. Ob mit dem Flugzeug, per Fernbus, Auto oder Zug, ich versuche den kleinen Zwackl mindestens alle 2-3 Monate zu sehen. In Echt. Ich will nicht, dass er mich nur durch einen kleinen leuchtenden Kasten kennenlernt. Bei jedem Besuch staune ich, wie groß er geworden ist in der kurzen Zeit. Was er jetzt alles kann! Dass er mich erkennt und gerne mit mir abhängt, auch alleine! Ich bin ständig in Berlin, aber die hippe Hauptstadt interessiert mich nicht besonders. Lieber backe ich mit Noah Sandkuchen auf dem Spielplatz. Ich will die Zeit mit meinem Neffen nutzen, bevor es wieder „Dao, dao!“ („Ciao, ciao!“) heißt.

Immer wieder denke ich mir, wie erstaunlich es doch ist, dass da plötzlich ein kleiner Mensch aus dem Nichts entsteht, den man sofort in sein Herz schließt und bedingungslos lieb hat. Selbst als Fern-Tante, Kilometer weit weg. Manchmal frage ich mich nach meinen Besuchen, ob ich vielleicht zu viel Tante war und zu wenig Schwester. Meine Schwester schreibt hier in ihrem Blog darüber, dass sie jetzt Mama ist, aber ja trotzdem immer noch sie. Ein Besuch in Berlin ist aber seit es Noah gibt auch einfach mehr als „nur“ ein Schwestern-Besuch, auch ich habe jetzt eine neue Rolle. Die Balance zu finden ist sicherlich nicht immer leicht und nicht immer macht man alles richtig. Aber ich bin sehr froh, dass ich jetzt beides bin, Schwester und Tante.

 

 

 

 

 

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