Mums des Monats: Frauen auf der Flucht

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Bild: UNHCR (flickr.com)

In einer PET Flasche erwärmt die Frau Wasser an einem der Lagerfeuer. Das Wasser ist dafür gedacht, ihren kleinen, neugeborenen Säugling waschen zu können.  Er ist über und über mit dem Staub bedeckt, auf dem das Flüchtlingslager Idomeni erbaut war.

Dieses Erlebnis habe ich dem Reisebericht meiner Chefin, der Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer entnommen. (In meinem “anderen Leben” bin ich Mitarbeiterin im Bundestag…)

Mich haben diese Zeilen nicht mehr losgelassen. Ich stelle mir vor, wie es wäre, die kleinen zarten Händchen meines neugeborenen Sohnes unter dem Wasserstrahl aus einer PET Flasche reinigen zu müssen. Die durchscheinende und zarte Haut nach dem Waschen nicht wohlbehütet und reinlich auf einem Handtuch unter einer Wärmelampe betten zu können, sondern rasch abzurubbeln um ihn vor der Kälte des griechischen Winters zu verbergen. Es ist so weit weg, ein anderes Leben. Aber trotzdem ist es so nah. Frauen wie wir. Kinder wie unsere.

Jetzt, wo der “Spendenmonat” Dezember vorbei ist, will ich in meiner Rubrik “Mum des Monats” diesmal bewusst an alle Schwangeren und Mütter erinnern, die auf der Flucht sind.

Frauen auf der Flucht
flüchtlinge frauen

Bild: UNHCR (flickr.com)

Frauen verlassen ihre Heimat meist allein mit den Kindern und älteren Familienangehörigen, weil ihre Ehemänner, Väter oder Brüder getötet, gefangengenommen oder als Rebellen oder Soldaten eingezogen wurden (Quelle: UNO Flüchtlingshilfe). In der taz berichtete Simone Schmollack von einer Mutter, die vor den Schlägen ihres Ehemanns geflüchtet ist – und die im Iran von der Steinigung bedroht worden wäre, wenn sie geblieben wäre.

Wenn ich von diesen Schicksalen lese, könnte ich nur heulen. Das hilft den Menschen auch nichts, klar. Aber mir reicht schon allein der Gedanke, alle Familienmitglieder und Freunde, meine Wohnung und alles was ich an meinem Heimatort liebe hinter mir lassen zu müssen. Gezwungen zu werden, alles aufzugeben. Aber die Vorstellung, meinen Kleinen den Strapazen einer lebensgefährlichen Flucht auszusetzen, ihm dieser Bedrohung aussetzen zu müssen, die macht mich schlichtweg fertig.

Bild: UNHCR (flickr.com)

Bild: UNHCR (flickr.com)

2016 waren von den in Deutschland lebenden Flüchtlingen mehr als ein Drittel weiblich (Datenquelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Weltweit sind etwa die Hälfte aller Flüchtenden Frauen und Mädchen. Sie sind auf der Flucht vielen Gefahren ausgesetzt, für sie ist es in der Regel noch beschwerlicher als für Männer – auch und besonders, wenn sie nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder Sorge tragen müssen. Die Schutzlosigkeit von Frauen wird von Mitflüchtenden, Schleusern und Beamten ausgenutzt. Terre des Femmes schreibt:

SchmugglerInnen würden mit Menschenhändlern gemeinsame Sache machen, um Frauen und Mädchen in die Prostitution zu zwingen, berichtet die Europäische Frauenlobby (EWL).

Angekommen im Gastland, sind sie noch lange nicht sicher, so Terre des Femmes:

Sie geraten in überfüllte Aufnahmelager, bar jeder Privatsphäre, die Zimmer sind oft nicht abschließbar, die sanitären Anlagen nicht nach Geschlechtern getrennt. Der nächtliche Weg zur Toilette kann über lange, unbeleuchtete Korridore führen und wird von vielen als schwer überwindbares Wagnis empfunden.

Mit Blick auf die Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sieht man: je weiter weg die Herkunftsländer liegen, desto weniger Frauen treten die gefährliche Reise an. Das hat nicht nur mit der Dauer und der Gefährlichkeit der Reise zu tun. Es hängt auch mit den Unterstützungsstrukturen und der kulturell geprägten Rolle der Frauen zusammen: je weniger sie in ihrem Heimatland selbstständig agieren können, desto unwahrscheinlicher ist eine Flucht auf eigene Faust. Fehlende Unterstützung aus der Familie und damit einhergehend auch keine eigenen finanziellen Ressourcen stehen dem beispielsweise im Wege.

Was können wir tun?
Anna Büllesbach (Bild: Annette Kradisch, info@fotodesign-kradisch.de)

Anna Büllesbach (Bild: Annette Kradisch, info@fotodesign-kradisch.de)

Ich habe mit Anna Büllesbach vom UNHCR (Leiterin des Verbindungsbüros in Nürnberg) über die Situation von Müttern auf der Flucht gesprochen und sie gefragt, wie man Frauen und Kindern am besten helfen kann. Sie meinte zu mir:

Jede Hilfe ist gut – je nach Kraft und Engagement.

Dabei geht es um ganz niedrigschwellige Hilfsmöglichkeiten. Es fange beim Einkaufsverhalten an, erklärt sie:

Man kann bewusst Fair Trade Artikel vorziehen – oder noch besser Ausschau nach Produkten aus Frauenprojekten halten und diese kaufen.

Es sei wichtig, Frauen dabei zu unterstützen, selbstständig zu werden. Genauso wichtig sei es, Kontakt aufzunehmen und den Austausch nicht zu scheuen. Als Beispiel nannte sie mir ein multikulturelles Frauencafé in Fürth. Es sei wichtig den geflüchteten Frauen zu zeigen, dass wir hier Freiheiten haben und wie wir unsere Rechte wahrnehmen.

Aber auch Spenden sind ein wichtiges Instrument um zu helfen. Frau Büllesbach verwies hier vor allem auf die Deutsche Stiftung UNO Flüchtlingshilfe oder UNICEF.

Zum Abschluss unseres Gespräches sagte sie noch:

Friedensarbeit fängt damit an, dass man Frauen wertschätzt, respektiert, integriert.

Damit hat sie, finde ich, so recht! Wir können nur einen kleinen Beitrag leisten, aber wir können helfen. Und das nicht nur vor Weihnachten.

Links zum Weiterlesen:

http://www.taz.de/!5230966/

https://heimatkunde.boell.de/2013/11/18/flüchtlingsfrauen-deutschland-–-unterstützungsprojekte-aus-Bayern

https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/aktuelles-zu-frauenrechten-allgemein/1905-besonders-schutzbeduerftig-frauen-auf-der-flucht

http://www.unhcr.de/home/artikel/897c36a0776bb65148e07a16da5942dc/bericht-warnt-frauen-auf-der-flucht-in-europa-bedroht.html

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