Kita Eingewöhnung: Vier Tipps, die es euren Kleinen leichter machen können

img_1245Auf vier Wochen Eingewöhnungszeit hatte ich mich eingestellt. Und danach noch die verbleibenden Vormittage genießen, bevor der Job wieder startet. Aus vier Wochen wurden beinahe sieben. Und dann ist da diese Wahnsinnsgeschichte eines befreundeten Mädchens, das die Eingewöhnung in weniger als zwei (!) Wochen gewuppt hat. Dieser Vergleich zeigt schnell, dass kleine Kinder nicht vergleichbar sind. Jedes Kind ist anders, bringt ein anderes Set an Fähigkeiten, Interessen und Wesensarten mit. Aber gibt es Dinge, die alle Eltern gleichermaßen in der Eingewöhnungsphase beachten können, um es ihren Kindern leichter zu machen?

1. Gebt den Kleinen die Zeit, die sie brauchen

Klar, ne. Klingt neunmalklug, habt ihr euch sicher auch schon gedacht – ist in der Praxis aber manchmal gar nicht so einfach. Wir hatten das große Glück, meinen Jobstart so legen zu können, dass wir ordentlich Zeitpuffer hatten. Wie sich letzten Endes gezeigt hat, war das ja dann auch nötig. Empfohlen werden etwa vier bis sechs Wochen:

Das Kind soll das Tempo bestimmen, so dass Eltern und Einrichtung die nötige Zeit einplanen müssen, um für alle Eventualitäten bezüglich der Dauer der Eingewöhnung gerüstet zu sein.

(Tanja Spieß, Sozialpädagogin B.A.)

Dabei geht es nicht nur darum, möglichst entspannt bleiben zu können. Vor allem Einzelkinder sind die Bakterien- und Virenlandschaft einer Betreuungseinrichtung nicht gewohnt, so dass die Eingewöhnung aufgrund von Krankheit pausiert werden muss. Das muss nicht, aber kann die zuvor aufgebaute Bindung zur/zum Bezugserzieher*in wieder zurückwerfen.

Die Autorinnen des Artikels “So gelingt der Start in die Kita” (Marlen Bauer, Katharina Klamer und Melanie Veit) erklären, warum es so wichtig ist, dass diese Phase ganz individuell an das jeweilige Kind angepasst wird:

Wurde eine ungünstige Dauer für die elternbegleitete Eingewöhnungszeit gewählt, hatte dies laut Untersuchungsergebnis Einfluss auf die Entwicklung des Kindes im ersten Halbjahr seines Krippenbesuchs. Im Vergleich fehlten diese Kinder dreimal länger wegen Erkrankung als andere Kinder mit günstig gewählter Dauer. Des Weiteren konnte man deutliche Entwicklungsrückstände aufzeigen. Auch die Bindung zu ihren Müttern war nachhaltig verunsichert. Außerdem zeigten sie eine Woche nach Beendigung der begleiteten Eingewöhnungszeit ängstliches Verhalten anstatt des erwünschten positiven Anpassungsverhaltens.
2. Lasst los

img_3289Ganz ehrlich: es viel mir so schwer, den Kleinen in der Kita zum ersten Mal “alleine” zu lassen. Denn genau dieses Gefühl beschlich mich: dass ich ihn irgendwie im Stich lasse, ohne sein Einverständnis. Ich hörte ihn nach dem Verabschieden weinen und wollte am liebsten sofort zurück stürmen – aber nach wenigen Minuten war hinter der Tür Ruhe. Die Erzieherin hat ihn getröstet, es war für ihn alles okay. Für mich deshalb noch lange nicht. Ganz beklommen saß ich ihn der Garderobe und habe auf die Uhr geschaut. Wie zäh Minuten doch vergehen können. Jetzt tröstet die Erzieherin ihn, dabei ist das doch mein Job! Was da doch emotional alles mit rein spielt: ob es nicht doch besser wäre, noch nicht arbeiten zu gehen? Die Pädagogen Wilfried Griebel und Renate Niesel haben dieses Gefühlschaos bei Eltern wissenschaftlich unter die Lupe genommen:

Die Eltern müssen sich mit ihrer Identität als Eltern in einer Gesellschaft auseinandersetzen, deren weithin akzeptierten Normen eine Betreuung des kleinen Kindes außerhalb der Familie widerspricht. Entgegen einem häufigen Schuldgefühl müssen sie ein positives Selbstbild entwickeln und Kompetenzen als Eltern gewinnen.

Und dann seien wir mal ganz ehrlich, liebe Mit-Mamis: es fällt doch auch ein bisschen schwer zu sehen, dass da eine “fremde” Person im Grunde den halben Tag Hauptbezugsperson sein soll. Wenn ich mich erinnere, wie supersensibel ich gerade in der Säuglingszeit war, wenn nur jemand ihn kurz auf den Arm nehmen wollte. Und jetzt das! Aber:

Die Eltern müssen (…) akzeptieren, dass die Beziehung ihres Kindes zu dieser Fachkraft eigenständig ist und keine Konkurrenz zu ihrer Eltern-Kind-Bindung bedeutet.

(Siehe ebenfalls hier)

Eingewöhnung ist eben nicht nur eine stressige, fordernde Phase für unsere Kleinen. Auch wir Eltern müssen an uns arbeiten, uns mit Ängsten und Sorgen auseinandersetzen und eben “los lassen”.

In der Eingewöhnungsphase habe ich Noahs Bezugserzieherin gefragt, ob es denn etwas gäbe, womit ich es ihm noch leichter machen könne. Sie meinte, wir machen alles gut (puh!). Es gebe Eltern, die ihre Kleinen auf dem Schoß sitzen hatten, ihre Arme (vielleicht unbewusst) um sie geschlungen – dass das selbstverständlich eher schwierig für die Minis sei.

3. Seid positiv – aber lasst Emotionen zu

Kita Kind Spiel Working Mom

In der Eingewöhnungsphase ging es mir stellenweise echt nahe, mir graute vor dem Verabschieden und den Tränchen. Trotzdem haben wir uns bemüht, Noah gegenüber fröhlich zu sein und die Kinder und Erzieherinnen der Kita in unsere Konversation mit dem Mini einzubauen.

Schon morgens auf dem Wickeltisch zählten wir die Kinder und Erzieherinnen auf, die er gleich sehen würde, wie in einem Spiel. Jetzt, wo er sprechen kann, macht er das zum Teil immer noch gerne und setzt nach jedem Namen schelmisch lächelnd ein erwartungsvolles “uuuund?” hinterher, damit wir noch mehr seiner Kita Kontakte aufzählen. Zu diesem Punkt kann ich euch keine wissenschaftliche Evidenz liefern, aber: jeden Morgen, beim Anziehen, haben wir ihm schon gut gelaunt gesagt “jetzt gehen wir in die Kitaaaa” und als dann zum ersten Mal ein ebenso fröhliches “jaaaaaaaaa” seinerseits als Echo kam, hat das einfach ein gutes Gefühl gegeben.

Eine Berliner Kita schreibt in ihrem Elternbrief:

Viele Eltern sind in den ersten Trennungstagen sehr traurig, ängstlich oder auch im Zweifel, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Hier hilft Ihnen sicherlich ein Gespräch mit den Erzieherinnen, der Leiterin oder mit anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen haben. Wenn Sie selbst eine positive Einstellung zur Erzieherin und zur gesamten Kita haben, wird Ihr Kind diese sicherlich übernehmen.
Aber hey – wenn ihr so traurig seid, dass euch die gute Laune wie ein Kloß im Hals stecken bleibt, dann ist das okay so: “Auch den Eltern muß das Aufgewühlt-Sein, das Empfinden und Zeigen von Gefühlen in dieser Phase zugestanden werden, ohne daß dies unnötig problematisiert wird.” (aus dem tollen Artikel “Der Übergang von der Familie in den Kindergarten”)
4. Aktives Verabschieden

img_1278Es wäre so verlockend… Einfach wenn der Kleine fröhlich spielt oder sonst wie angelenkt ist, davon schnurksen… All das Drama und die Tränen würden uns erspart bleiben. Oder? Aber trotzdem legen die Erzieher*innen großen Wert darauf, dass wir uns klar verabschieden. Und das mit gutem Grund:

Sich “wegzuschleichen”, ohne sich vom Kind zu verabschieden, ist auf keinem Fall eine Option: Das Vertrauen des Kindes würde dabei langfristig aufs Spiel gesetzt, die sichere Bindung riskiert. So würde es lernen, dass immer, wenn es einmal entspannt spielt, die Mama plötzlich weg sein könnte.

(Tanja Spieß)

Wie umfangreich diese Verabschiedung dann aussehen muss, ist wieder eine andere Frage. Gerade bei Kleinkindern nützt es wohl noch nicht wirklich etwas, großartig zu erklären, dass man sie nach dem Einkaufen oder nach 10 Minuten wieder abholen würde. Ob aber der Abschied mit Umarmen oder durch ein entferntes Winken, ganz wortreich oder durch ein knappes “Tschüss, bis später” stattfindet – das ist wiedereinmal ganz und gar von eurem Kind und euch abhängig. Im Zweifel, fragt bei eurer/eurem Erzieher*in nach, was sie empfehlen würden.


Diese vier Tipps haben zumindest bei uns gefühlt am meisten geholfen. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was war euch wichtig?

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There is one comment

  1. Natürlich Schöner

    Selbst Geschwisterkinder sind da unterschiedlich. Bei unserem Sohn ging die Eingewöhnung auch recht schnell und unproblematisch. Unsere Tochter hat deutlich länger gebraucht. Sie hat aber auch schon immer mehr gefremdelt und tut sich auch jetzt noch mit neuen Gesichtern schwerer als ihr Bruder in dem Alter.

    Deine Tipps treffen aber den Nagel auf den Kopf. Ich bin zwar als DDR-Kind dem Thema Kindergarten wahrscheinlich sowieso aufgeschlossener gegenüber, weil man es damals einfach nicht anders kannte und ich nur positive Erinnerungen an die Zeit im Kindergarten habe. Aber auch meine Erfahrung als Mutter hat mir gezeigt, dass Kinder sich unter anderen Kindern am wohlsten fühlen.

    LG Michaela

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