Singen in der Schwangerschaft – Interview mit Sopranistin Nicole Rhoslynn

Schon lange, bevor ein Baby auf die Welt kommt, kann es hören. Ab der 23. Schwangerschaftswoche hört ein Fötus Geräusche aus dem Mutterleib, wie den Herzschlag – und auch Mamas Stimme. Grund genug, in der Schwangerschaft nach Lust und Laune zu singen. Das macht nämlich nicht nur die werdende Mutter glücklich (ja, es ist wissenschaftlich erwiesen: Singen lässt massenweise Glückshormone frei), sondern stärkt auch die Bindung zum ungeborenen Kind.

Was für uns Hobby nach Lust und Laune ist, kann für Profi Sängerinnen schon eine ganz andere Herausforderung sein: in der Schwangerschaft verändert sich die Stimmlage, außerdem geht die Puste einfach schneller aus, wie ihr ja wisst. Einen schönen Artikel dazu habe ich bei Frau Kruse gelesen. Sie schreibt:

Ladys: RESPEKT! Zum Einen für die Ausdauer (ich bin nach 30 Minuten, egal was ich tue, schon pausenbedürftig), zum Zweiten für die Disziplin (ich finde Rumliegen aktuell die einzig angenehme Körperhaltung und vergesse neben meiner Handynummer und Adresse manchmal sogar, dass ich schwanger bin).

Die Berliner Sopranistin Nicole Rhoslynn steht noch hochschwanger auf der Bühne, zum Beispiel jetzt im Januar im Konzerthaus Berlin. Ich hab sie gefragt, wie es ihr damit geht, was ihre Hebamme davon hält und ob ihr Baby sich anders verhält, wenn sie singt.

Ich fühle mich nicht eingeschränkt. Es erfordert einfach mehr Konzentration.

Hat sich deine Art zu Singen während der Schwangerschaft geändert? Fällt es dir schwerer, leichter? Geht dir manchmal die Puste aus?

Nicole Rhoslynn: Ich muss gestehen, ich hatte großen Respekt davor, was passieren könnte. Und ich weiß auch nicht, was nach der Geburt passiert. Denn viele erzählen natürlich, dass sich die Stimme in diese oder jene Richtung entwickelt, nicht selten sogar zum Stimmverlust führt. Meine Sorgen sind aber komplett hinweggefegt, denn mir geht es nirgends so fantastisch wie beim Singen. Mit der richtigen Technik und dem gesunden Vertrauen auf seinen Körper zu hören ist es absolut kein Problem. Manche sagen sogar, meine Stimme sei weicher geworden. Das höre ich selbst nun nicht. Tatsächlich merke ich aber, dass ich weniger Atem zur Verfügung habe und dass das Stützen mehr Kraft erfordert – aber ich fühle mich nicht eingeschränkt. Es erfordert einfach mehr Konzentration.

Meine Hebamme schien anfangs nicht begeistert.

Was meint deine Hebamme zu deinem Job?

Nicole Rhoslynn: Meine Hebamme freute sich, weil sich Sänger mit der Atmung leichter täten und es schlichtweg natürlich für sie ist. Aber sie schien anfangs nicht begeistert, dass ich im 8.Monat noch große Konzertverpflichtungen habe. Da ich aber eine Kollegin habe, die selbst im 9. Monat noch schwerste Arien auf der Bühne darbot, hatte ich ein solides Grundvertrauen. Da es mir gut geht, sind die Sorgen meiner Hebamme auch hinweggefegt. Ich achte aber auch auf ausreichend Pausen und habe den Januar komplett für die Arbeit reserviert, an den arbeitsfreien Tagen liege ich sehr viel.
Meinen Geburtsvorbereitungskurs habe ich noch vor mir – ich bin wirklich gespannt, ob ich mich bei der Atmung leichter tue, denn aktuell habe ich absolut keine Informationen und kann noch gar nichts dazu sagen.

Hast du das Gefühl, dass dein Baby im Bauch in irgend einer Weise auf das Singen reagiert?

Nicole Rhoslynn: Er ist generell sehr, sehr, sehr aktiv, aber wenn ich auf der Bühne stehe, komplett ruhig. Mittlerweile meldet er sich selbst bei Übungen, aber wenn ich Arien singe, bleibt er ruhig.
Wenn ich selbst Musik höre, kommt es auf seine Stimmung an – aber man kennt es: wenn man schlafen möchte, hat man keine Ruhe; kürzlich nahm ich aber Noten ins Bett und lernte etwas, die Musik lief laut dazu – und er schlief ein. Es ist unfassbar schön zu spüren, dass er es mag.

Du trittst diesen Januar noch einige Male im Konzerthaus Berlin auf, dann startet der Mutterschutz – wie geht es dir während der Konzerte?

Nicole Rhoslynn: Es ist schon anstrengend, das gebe ich zu, aber die Konzerte an sich sind wundervoll – ich fühle mich da sehr gut, ich kann nicht klagen.

Es sind magische Momente

Wieso hast du dich für deinen Beruf entschieden, was magst du daran?

Nicole Rhoslynn: Ich singe schon seit ich denken kann. Früh begann ich in Chören zu singen, es war völlig selbstverständlich für mich. Auf dem Wege kam ich mit klassischer Musik in Berührung und bei einer Einzelstimmbildung fragte mich der Chorleiter, was ich denn eigentlich nach der Schule machen möchte. Ich hatte viele Wünsche, aber nichts, wo ich mir sicher war… Zahnärztin, Anwältin – und dann dachte ich, nein, es muss etwas mit Musik sein. Ich begann dann klassischen Gesangsunterricht zu nehmen und ohne dass ich einen Bezug zur Oper hatte entschied sich mein Bauchgefühl für diesen Berufszweig. Da war ich 15.
Ich mag an dem Beruf die Vielseitigkeit und Abwechslung. Es ist harte Arbeit, aber die Momente auf der Bühne, in denen man nur für den Augenblick lebt und singt – ja, an nichts anderes denkt – das entschädigt für alles. Es sind magische Momente.

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