Über das tägliche Chaos und den Sinn und Unsinn des Aufräumens

Spielecke. Wer auch immer sich diesen Begriff ausgedacht hat – dieser Mensch kann kein Kleinkind gehabt haben. Denn geht es euch auch so? Unser Wohnzimmer ist weg. Gibt es nicht mehr.

Ich lebe in einer Zweizimmerwohnung. Sie besteht aus Kinderzimmer 1, Kinderzimmer 2, Badezimmer (temporär auch genutzt als Kinderzimmer 3).

Der Versuch eine Spielecke einzurichten – gescheitert. Der Sinn dieses Plätzchens besteht nur darin, dort allen Kram hinzuräumen, wenn das Kindchen keine Gelegenheit hat, alles wieder auszuräumen.

Ich war sicher vorher nicht der ordentlichste Mensch auf dieser Welt. Ich glaube die Wahrheit liegt irgendwo zwischen der Aussage meines Freundes, ich sei pingelig und dem Ärger meiner WG-Mitbewohnerinnen aus der Studienzeit, die gerne deutlich öfter Staubwedel und Wischmop in meinen Händen gesehen hätten. Aber eigentlich sowieso einerlei: all das war einmal. Frühere Ansprüche an mich, an das Interior Design meiner vier Wände: passé. Heute bin ich froh, wenn ich halbwegs alles an seinem Platz sehe. Zumindest Abends, wenn das Kind schläft. Halbwegs.

Gerade wieder, die Situation. Ich ertappe mich dabei, wie mein Herz ungeduldig anfängt zu pochen, wenn ich um mich blicke und das totale Chaos sehe. Es macht mich wahnsinnig. Wo anfangen? Wo aufhören?

Das Durcheinander ist nicht nur Kleinkind verschuldet. Nein es wäre unfair, ihm alles in die Schuhe zu schieben. Die Wahrheit ist: das Leben mit Kind hält mich auf Trab, ich schaffe es einfach nicht, meinen eigenen Kram in der Zeit säuberlich aufzuräumen. Bitte, bitte, sagt mir, dass ich damit nicht alleine bin.

Aufräumen ist eine Herkulesaufgabe geworden. Zunächst mal: es macht einfach wirklich nur Sinn, wenn das Kindchen schläft. Und dann gehts los. Kleine Einzelteile, überall, ja wirklich ÜBERALL verstreut aufheben und kreuz und quer durch die Wohnung zurück an den Ort bringen, wo sie eigentlich hingehören. Ich habe das Gefühl, ich laufe kilometerweit. Alle Bücher auf einen Stapel, die Bauklötzchen einsammeln und wieder in ihre Kiste tragen, das restliche Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine räumen – ach geht nicht, die muss erst noch ausgeräumt werden. Wenn das Dringendste geschafft ist und es wieder halbwegs bewohnbar aussieht bei uns, dann habe ich keinen Nerv, auch noch den Putzlappen in die Hand zu nehmen. Die Fenster werden geputzt, wenn ich nicht mehr rausgucken kann. Nur eine Anzahl von mehr als drei Staubmäusen kann mich dazu überreden, den Staubstauger in die Hand zu nehmen. Das Bad. Ach, das Bad. Immerhin muss man mit Kleinkind mehrmals täglich den Küchenboden fegen, wenn man keine Insektenplage heraufbeschwören möchte oder nicht zufällig auf das Gefühl von Bröseln und Banenenmatsche an den Sockensohlen steht.

Gut, ein paar Dinge habe ich für mich inzwischen gelernt:

Erstens: es lohnt sich, auch zwischendurch immer wieder ein klein bisschen aufzuräumen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Es mag nicht super ordentlich sein, dadurch. Aber später spart man sich schonmal etwas Arbeit.

Zweitens: Das Kind braucht nicht jedes seiner Spielsachen zu jeder Zeit. Weniger ist mehr. Ich liebe meine Anschaffung einer Kommode, in der alle derzeit ungenutzten Dinge verstaut sind und immer nur temporär entnommen werden. Das macht sie auch um ein Vielfaches interessanter für den Kleinen.

Drittens: entspann dich. Das ist ja sowieso die oberste Lektion mit Kind, finde ich. Eine Überschrift, die eigentlich immer passt. Ich akzeptiere, dass ich für die nächsten Jahre in der bunten Kinderzauberwelt leben werde, dass ich keine Interior Challenge auf Instagram annehmen werde, dass das bisschen Chaos ein okayer Zustand sein kann und dass so eben Leben mit Kindern aussieht.

Kürzlich meinte eine Freundin mit Blick über unsere Wohnung, sie sei ja eher so für Minimalismus. Ich konnte nur müde lächeln.

Über das tägliche Chaos und den Sinn und Unsinn des Aufräumens

Warmwürziger Gemüsetopf mit Romanesco und Erdnuss

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Alles so schön grün hier – Farbtrend Greenery

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There is one comment

  1. Natürlich Schöner

    Habe letztens bei Dawanda ein Bild mit der Aufschrift: “Gestern war hier noch aufgeräumt. Schade, dass du es verpasst hast” entdeckt. Ich finde, das bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Kinder haben 5 Minuten nach dem Aufstehen die Chaostheorie schon mindestens 1x bewiesen. Und ich kann dich trösten (oder verschrecken *g*), das bleibt auch noch eine ganze Weile so. Locker bleiben, hilft da auf jeden Fall und die Erkenntnis, dass es bei den allermeisten Familien mit Kindern so aussieht. Ansonsten versuchen wir, unseren Kindern beizubringen, Sachen auch mal wieder wegzuräumen, die man gerade nicht mehr braucht. Klappt mal mehr, mal weniger gut und meist auch nur nach Aufforderung.

    Ach ja und noch ein Tipp: nicht immer nur aufräumen, wenn das Kind im Bett ist, lieber zusammen mit dem Kind aufräumen (gerade Kleinkinder lieben aufräumen, das muss man ausnutzen). Das haben wir uns ein wenig vom Kindergarten abgeschaut, die machen es dort nämlich genauso 😉

    LG Michaela

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