Unternehmen gründen in der Elternzeit: “Scheitern in diesem Sinne gibt es gar nicht”

Sich als Mutter selbstständig machen – ein gewagter Schritt? Nachdem ich bereits im vergangenen Jahr mit Sonja Ragaller über ihre Selbstständigkeit als alleinerziehende Mama gesprochen habe, hat mir jetzt die wunderbare Astrid Bredereck (Gründerin von “Räubersachen”) erzählt, wieso sie aus der Elternzeit heraus ein Unternehmen aus dem Boden gestampft hat und was sie anderen Müttern rät, die mit diesem Gedanken spielen.

Foto: Henry Sowinski

“Es durfte etwas entstehen, das ich vorher nie für möglich gehalten hätte”

Mum & still me: Was hat den Ausschlag zur Gründung von Räubersachen gegeben, wie kamst du darauf?

Astrid: Ich glaube manchmal es war genau anders herum: Räubersachen ist auf mich gekommen. Kennst Du den Satz: “Das Leben ist der Tänzer und Du bist der Tanz”? Genauso fühlt es sich an.
Vor ungefähr zwei Jahren, ist mein kleiner Sohn gerade zwei Jahre alt geworden und ich war auf der Suche nach neuen Wegen für meine berufliche Situation. Ich hatte es satt mich als Künstlerin immer wieder von Stipendium zun Stipendium zu hangeln. Ich wollte eine Arbeit, bei der ich meine Ruhe habe und von der ich leben kann. Das ist wohl gründlich schief gegangen. 🙂

Nachdem ich die Idee aber einmal im Kopf oder besser im Herzen trug, musste ich sie einfach in die Welt bringen.

Räubersachen hat in mir unglaublich viel Kraft freigesetzt und ich war so im Flow, dass die Seite  schon drei Monate später online gegangen ist, obwohl mein Sohn damals noch nicht in den Kindergarten ging und ich hauspsächlich Nachts gearbeitet habe. Es erschien mir einfach so sinnvoll sich all die wundervollen Kindersachen ausleihen zu können und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sie gut gepflegt und repariert werden.

Mum & still me: Würdest du rückblickend anders starten?

Astrid: Nein, ich bin zutiefst dankbar für diesen Weg. Es war gut und richtig ins kalte Wasser zu springen, ohne vorher durch Buisinesspläne und Kalkulationen für irgendeine vermeintliche Sicherheit zu sorgen. Da ich nie vor hatte ein Unternehmen zu gründen, habe ich natürlich auch erst unterwegs realisiert, dass ich genau das gerade tue.

Ich wäre schreiend davon gelaufen, wenn mir das von Anfang an so klar gewesen wäre, denn es hat natürlich auch sehr viel mit Verantwortung und enorm viel Arbeit zu tun.

Ich wollte immer und überall Harmonie und machmal braucht es aber auch Durchsetzungskraft und Konfliktbereitschaft, um weiter zu gehen. Viele Gründer wollten nie dort landen, wo sie sich gerade befinden und es ist machmal notwendig die eigene Naivität zu bewahren, um schwierige Zeiten zu meistern. Räubersachen ist ein wunderbarer Lehrmeister für mich und ich habe in den letzten zwei Jahren viele innere und äußere Grenzen überwunden. Dabei hatte ich unendlich viel Unterstützung von allen Seiten und so durfte etwas entstehen, das ich vorher nie für möglich gehalten hätte. Auch jetzt ist Räubersachen für mich nach wie vor ein Weg, der immer wieder Neues bereit hält und es ist wunderbar zu erfahren wie sich immer wieder alles zum Guten fügt, auch wenn ich massive Entscheidungen treffe. Wie zum Beispiel kürzlich die Entscheidung kein Chef mehr sein zu wollen.

Mum & still me: Du bist auch Mama von zwei Söhnen. Räubersachen und Familie – klappt das im Alltag immer problemlos?

Astrid: Oh nein, es klappt natürlich nicht problemlos, aber mal besser und mal schlechter. Das große Glück ist, dass Magnus bei Räubersachen voll mit eingestiegen ist und wir uns so einfach alles teilen können. Einer von uns arbeitet meist lange und der andere kümmert sich um Kinder und unsere Situation zu Hause. Dadurch gibt es viel Verständnis und wir kämpfen nicht um Zeit miteinander, da wir für die gleichen Ziele arbeiten. Auch ist es super, nach zwei langen Arbeitstagen den Staffelstab zu übergeben und zu Hause abzuwaschen und Kuchen zu backen, denn es ist ein wunderbarer Ausgleich. Wenn ein Kind krank ist, arbeiten wir oft in Schichten und wechseln und viel ab. Diese Möglichkeiten sind wundervoll und ich bin unendlich dankbar dafür.

Allerdings müssen wir auch aufpassen, dass wir Räubersachen nicht ständig Raum geben und auch mal Zeiten als Famile und Paar haben, in denen es andere Gesprächsthemen gibt. Das ist wohl eine der größten Herausforderungen.

Mum & still me: Was magst du am Leben mit Kindern?

Astrid: Ich bin ja nun schon sehr lange Mutter, mein Sohn Emil wird in diesem Jahr 17 Jahre alt und ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr so genau an die Zeit ohne Kind erinnern oder da gut Vergleiche ziehen.

Was ich besonders mag ist erst einmal das Wunder des Lebens an sich und das Kinder einen so nah an die Ursprünge zurück bringen können.

Sie vermögen es, uns Erwachsene immer wieder in Staunen zu versetzten, uns erkennen zu lassen was wirklich wichtig ist und im Jetzt zu leben. Kinder finden oft auch die Schwächen und bohren so lange darin herum, bis man bereit ist, sich den eigenen Themen zuzuwenden. Sie sind schonungslos ehrlich, sehr fordernd und dabei auch so zärtlich und feinsinnig. Das Leben mit Kindern ist wundervoll und eine große Herausforderung, vor allem im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse.

Mum & still me: Was würdest du anderen Müttern mit auf den Weg geben, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Astrid: Mut und Vertrauen. Ich ermutige Mütter sehr gern dazu, sich selbst mehr zuzutrauen, mehr für die eigenen Herzenswünsche einzustehen und einfach loszulegen.

Fehler müssen und dürfen passieren und ein Scheitern in diesem Sinne gibt es gar nicht. Andererseits sehe ich auch die ständige Gefahr der Überforderung und des Zu-Viel-Wollens-Und-Zwar-Sofort.

Die ersten drei Jahre gehören meiner Meinung nach dem Kind und zwar so viel und so gut es eben möglich ist. Diese Jahre sind prägend und zwar für Mutter und Kind! Wenn dann der Wunsch wächst sich auch wieder anderen Dingen zuzuwenden, würde ich auf jeden Fall versuchen es immer möglichst schonend und sanft anzugehen. Es gibt so viele schöne Beispiele dafür wie Frauen aus der Elternzeit heraus gründen und dabei authentisch ihren Weg gehen. Ich denke, dass diese Zeit predistiniert ist für Veränderungen im Leben von uns Frauen. Wir überdenken unser Leben neu und orientieren uns weiter oder um. Das ist eine wunderbare Chance, die unbedingt genutzt werden will.


Mehr Infos zu Astrid und ihrem Unternehmen findet ihr hier: “Räubersachen”

 

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