Nächtliches Schreien – Nachtschreck oder Albtraum?

Puh, was soll ich sagen. Das was letzte Nacht passiert ist, gab es vorher noch nie. Zum Glück. Es war geradezu dramatisch, ich dachte, es würde nie aufhören. Aber mal der Reihe nach…

Durchschlafen? Nicht in Sicht…

Noah ist jetzt über anderthalb Jahre alt. Durchschlafen? Pustekuchen. Zugegebenermaßen gab es inzwischen schon die eine oder andere Nacht, in der er bis 5 oder halb 6 geschlafen hat und nach einem Schlückchen Milch wieder bis zum nächsten Morgen weiter dösen konnte. Aber selbst wenn er öfter aufwacht, ist es nicht sehr anstrengend. Wir nehmen ihn zu uns ins Bett und er bekommt einen kleinen Schluck Milch, beruhigt sich von alleine und schläft wieder weiter. Bevor er eingeschlafen ist, bin ich schon längst wieder ins Reich der Träume entschlummert. Also alles halb so wild. Mich stört es auch nicht, dass er regelmäßig mindestens die Hälfte der Nacht bei uns im Bett verbringt.

Er wird ohnehin so schnell groß, das gemeinsame Schlafen ist so innig und nah.

Alles gut also, auch ohne Durchschlafen. Jede Nacht ist anders, ich rechne mit allem und nichts.

Letzte Nacht aber – what the …?!

Um viertel vor zehn Abends, also vergleichsweise früh, höre ich aus dem Schlafzimmer ein Aufstöhnen. Ein Krächzen. Dann leises Klagen. Im ersten Moment denke ich mir nichts dabei. Es passiert manchmal, dass er um die Zeit kurz aufschreckt. Meistens schläft er gleich darauf von alleine wieder ein. Trotzdem erwärme ich schnell Wasser und mache die Flasche fertig.

Die Beschwerden im Schlafzimmer werden dringlicher. Noah ruft “Mamimaaamimamaaa” und ich eile zu ihm. Er liegt immernoch im Bettchen, weinend, Augen geschlossen. Ich versuche ihn erst einmal durch Streicheln des Köpfchens zu beruhigen, flüstere leise, dass ich da bin und alles gut ist. Auch das reicht meistens, damit er schmatzend aufatmet und weiterschläft.

Gestern nicht.

Das Weinen wurde lauter, drängender.

Ich nehme ihn auf den Arm, meinen kleinen Großen, der mit seinen bald 20 Monaten bereits halb so groß ist, wie ich. Er windet sich, schlägt um sich, weint und scheint gar nicht wahrzunehmen, dass ich da bin. Wenn ich ihm sonst die Flasche anbiete, nimmt er sie sofort selbst mit den beiden Patschehändchen und beruhigt sich. Diesmal schlägt er sie empört von sich. Nanu.

Er weint über eine Stunde und ich versuche alles. Schleppe ihn umher (obwohl ich nach dem kleinen Eingriff am vergangenen Freitag nach einer Weile meinen Unterleib ein bisschen ziehen spüre). Singe, erst leise summend, dann kräftig. Zeige ihm den leuchtenden Kran beim Blick aus dem Fenster. Biete ihm Camomilla Globuli an. Lasse ihn toben und schreien und bleibe neben ihm sitzen. Frage hundertmal, ob er jetzt nicht doch seine Flasche will. Streichle sein Köpfchen. Versuche herauszufinden, ob ihm etwas weh tut (was mir nicht gelingt und mich nur noch ratloser macht). Rufe meinen Freund via Facetime an, der ausgerechnet an diesem Abend geschäftlich verreisen musste. Nicht einmal das Bild des geliebten Papa rüttelt ihn aus seinem Schrei Delirium.

Was ist das? Warum hört er nicht auf zu weinen?

Irgendwann bin ich verzweifelt. Nichts scheint zu helfen. Wirklich nichts. Er weint, nein er brüllt, ohne Unterlass. Puh. Ich mache mir Sorgen. Mein Freund schlägt irgendwann vor, mal den Fernseher anzumachen. Und augenblicklich wird der Kleine leise. Wegen einer Luther Dokumentation. Ich glaub, ich spinne. Niemals, wirklich niemals, hätte ich gedacht, dass ich mein Kind einmal mit der Glotze beruhigen würde. Jetzt bin ich SO dankbar für den flimmernden Flachbildschirm. Danke, danke, danke! Das Leben mit Kind überrascht mich immer wieder.

Noah sitzt rotbäckig auf meinem Schoß. Schnieft. Die Atmung verlangsamt sich.

“Fead”, krächzt er und zeigt auf ein Pferd. Ich atme durch. Eine Luther Doku. Was geht eigentlich?!

Nach einiger Zeit nehme ich ihn wieder sanft auf den Arm und gehe zurück ins Schlafzimmer. Er protestiert im ersten Moment. Nimmt aber dann doch das Fläschchen. Und noch ehe es leer ist, fällt er in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Mein Kindchen. Am nächsten Morgen wacht er munter auf, das einzige was ihn stört ist, dass ich Papas T-Shirt trage. Verkehrte Welt, für ihn. Aber dann: “Aufdeeeenen Mamaaa” <3

Was war das? Ist das der viel beschriebene “Nachtschreck” gewesen? Habt ihr das auch schon einmal erlebt? Wie war das bei euch?

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Lieblingsdings: Ich seh Schwarz… Schwarz-Weiß!

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There are 2 comments

  1. Nancy

    Oh ja, das haben wir mit unserer großen regelmäßig erlebt. Man durfte sie dann nicht mal anfassen, jeglicher Versuch sie zu trösten ließ sie noch lauter und hysterischer schreien. Irgendwann war klar, daneben sitzen und da sein und abwarten war das einzige das wir machen konnten. Oft saß ich da und mir liefen selbst die Tränen, man fühlt sich so hilflos….Gott sei Dank scheint das vorbei zu sein!

    1. Sabine Ponath

      Jaaaa, voll hilflos. Und wie du schreibst – man sitzt am besten nur dabei, wartet, hält aus. Er wollte alles und nichts von mir gestern Abend. Aber dass der Fernseher dann die Ruhe bringen würde… Man lernt nie aus.

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