Freundschaft: Ich würde gerne mehr zurück geben

Eigentlich wollte ich heute endlich die Gelegenheit nutzen und bei der Blogparade von Hallo liebe Wolke unsere “25 total guten Gründe für einen Trotzanfall” sammeln. Glaubt mir, da wüsste ich auf Anhieb ein paar. Aber eine Sache liegt mir auf der Seele und ich frage mich, ob es nur mir so geht. Deshalb müssen die 25 Gründe noch einmal warten.

Momentan habe ich das Gefühl, niemandem zu hundert Prozent gerecht zu werden.

Klar, an der Oberfläche pflege ich Kontakt mit Freund*innen und Familie, machmal auch tiefer. Aber ich würde gerne so viel mehr da sein. Ich weiß nicht, ob ich das so wirklich erklären oder in Worte fassen kann, aber gerade bin ich so fahrig, unkonzentriert. Wenn mir jemand etwas erzählt, dann kann es durchaus vorkommen, dass ich die Hälfte schon kurz danach wieder vergessen habe.

Es gibt natürlich auch andere Phasen. Phasen, in denen ich viel Zeit zum quatschen finde. Oder in denen ich ein ganzes Wochenende habe, um mit ein paar engen Freundinnen “abzutauchen”.

Heute brachte die Post ein Päckchen von einer Freundin, die mich überraschen wollte und mir nach der Fehlgeburt etwas Gutes tun wollte. Liebe Zeilen, Tee, Schokolade, ein Buch. Ich hab mich so gefreut, dass jemand sich wegen mir solche Mühe gemacht hat. Ach was, von wegen gefreut. Ich war krass überwältigt.

Sowas meine ich. Da gibt es Leute in meinem Leben, die mir wichtig sind und denen ich gerne “mehr” geben würde. Die ich gerne mal wieder sehen würde, mit denen ich gerne wieder länger telefonieren würde oder denen ich auch gerne unverhofft eine Überraschung per Post schicken würde. Ich bin so dankbar dafür, dass sie für mich da sind. Ich würde gerne mehr zurückgeben.

Bin ich denn tatsächlich so “busy”? Oder woran liegt das, dass ich das gerade nicht schaffe? Hat mich das Muttersein so verändert?

Ehrlicherweise weiß ich das nicht. Ich glaube nicht, dass mein Leben sonderlich viel stressiger ist, als das der meisten Menschen. Man wurschtelt halt den ganzen Tag vor sich hin, zu tun ist immer was, egal ob Büro, Haushalt oder Kindchen. Die Muße, mir tagsüber tiefere Gedanken um Andere zu machen, hab ich nicht. Das klingt hart, aber das ist momentan mein Leben. Abends bin ich in der Regel platt, zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Erst recht nicht für Freundschaftstelefonate, bei denen man sich konzentrieren will und zuhören mag.

Ich habe manchmal das Gefühl, es wird immer mehr.

Der übliche Orga Kram, so viele Menschen, auf die man eingehen will und es nicht ausreichend kann, die nie enden wollende Unordnung zuhause, kaum eine durchschlafene Nacht in beinahe zwei Jahren… Das alles führt dazu, dass ich immer mehr zum Verpeilo werde.

Was ich in dem ganzen Alltagstrubel gelernt habe, ist nach Möglichkeit Oasen der Auszeit für mich zu schaffen. Texte schreiben, lesen, sinnlos aufm Sofa fläzen und fernsehen, stricken, spazieren, die Sonne auf mein Gesicht scheinen lassen, meine Nägel lackieren, Yoga. Das brauche ich für meinen Ausgleich. Ganz egoistisch und nur für mich.

Ich hoffe, dass das was ich meiner Familie und meinen Freund*innen so geben kann, auch wirklich okay ist. Dass sie nicht enttäuscht sind, dass ich mir momentan nicht so viel Mühe um sie machen kann, wie ich gerne würde. Dass unsere Freundschaft die seltenen Telefonate, die wenigen Male, an denen wir uns treffen und das bisschen Austausch, das wir haben, verträgt.

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