Mum des Monats: Agenturchefin Juliane Broß – “Ich hörte auf mein Bauchgefühl”

Letztes Jahr habe ich Juliane Broß kennen gelernt. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführung der Hamburger PR Agentur STILGEFLÜSTER. Wir haben uns auf einem Event von Juniqe kennengelernt, bei dem zwei zauberhafte Kinderbücher vorgestellt wurden. Nachhaltig beeindruckt hat mich das Gespräch mit ihr, weil es in den meist oberflächlichen Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich ist, dass jemand von Anfang so herzlich, so offen und so natürlich ist. Die wunderbare Juliane ist nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsfrau, sie hat auch eine kleine Tochter – durch die sie gelernt hat, wie verdammt wichtig es manchmal ist, aufs Bauchgefühl zu hören…

Mum & still me: Du warst als eine der Ersten in deinem engeren Bekanntenkreis schwanger – wie war das für dich?

Juliane: Ich fand es rückblickend sehr gut. Da ich im Grunde tatsächlich die erste Schwangere in meinem engeren Freundeskreis war, ist die Schwangerschaft total unbeschwert an mir vorbeigezogen.

Ich wurde nicht mit gut gemeinten Ratschlägen und Babythemen konfrontiert, einfach, weil es wenige Menschen in meinem Umfeld gab, die dazu überhaupt etwas hätten sagen können.

In meinem Team, das ich in dieser Zeit viel um mich hatte, wurde eher über die nächste Party, die coolste Handtasche und das neue Must-See Restaurant gesprochen.

Und wenn ich tatsächlich mal Hilfe oder einen Tipp brauchte, war meine Schwester meine erste Ansprechpartnerin – sie hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt schon meine bezaubernde, zweijährige Nichte.

Mum & still me: Was hat sich mit der Schwangerschaft und Geburt deiner Tochter am meisten in deinem Leben verändert?

Juliane: Zoe ist das Beste, was mir je passiert ist.

Diese Liebe, die man für einen Menschen empfinden kann, hat mich tatsächlich umgehauen!

Mit der Geburt von Zoe hat die Bedeutung „ein ausgefülltes Leben führen“ für mich erst wirklich einen Sinn ergeben. Dieses Gefühl lässt sich total schwer beschreiben, aber man nimmt vieles und vor allem sich selbst einfach nicht mehr so wichtig und ist auch in Richtung seiner Familie, Freunde und Kollegen viel achtsamer. So war es zumindest bei mir.

Selbstverständlich verändert sich auch sehr viel – eigentlich bleibt nichts so wie es einmal war und man weiß plötzlich wie es sich anfühlt, wirklich Verantwortung für jemanden zu übernehmen. Insbesondere, wenn es innerhalb des Freundeskreises noch nicht viel Nachwuchs gibt, verändern sich Freundschaften und man muss eine Menge dafür tun, sein altes Leben mit allem was dazu gehört auch ein Stück weit zu behalten.

Das gilt für Freundinnen ohne Nachwuchs, die sich häufig vernachlässigt fühlen, genauso wie für den Partner und die kostbare Zweisamkeit, die man sich plötzlich meist hart erkämpfen muss.

Mit einer gewissenhaften Prioritätensetzung, einem verständnisvollen und hilfsbereiten Umfeld und einer Top-Planung ist das aber zu schaffen.

Und was wundervoll ist – mein Leben wurde durch so viele tolle Mami-Freundschaften bereichert, die ich nie wieder missen möchte!

Mum & still me: Wenn du möchtest, könnten wir auch auf den Aspekt eingehen, den du mir mal im Gespräch geschildert hast: Du hattest keine sehr einfache Schwangerschaft, die Gesundheit deiner Tochter und deine Gesundheit waren zeitweilig in Gefahr. Was genau ist passiert?

Juliane: Ich hatte anfänglich eine richtig schöne und unkomplizierte Traum-Schwangerschaft ohne jegliche Beschwerden. Bis ich auf einmal in der 32. SSW ziemlich heftige Oberbauchschmerzen bekam. Auch das Baby wollte plötzlich nicht mehr richtig wachsen und an Gewicht zulegen.

Als der Schmerz immer schlimmer und die Ratlosigkeit der Ärzte immer größer wurde, fing ich an zu googeln und stieß auf „Präeklampsie“ und das „HELLP-Syndrom“, was so viel wie „Schwangerschaftsvergiftung“ bedeutet.

Als ich bei der nächsten Routine-Untersuchung in der 34. SSW von meiner Vermutung berichtete, wurde ich zunächst ziemlich müde belächelt. Doch ich hörte auf mein Bauchgefühl und bestand auf einen einfach durchzuführenden Test, der dann tatsächlich positiv ausfiel.

Danach ging alles ganz schnell: Das Baby musste, damit uns beiden nichts passiert, umgehend geholt werden. Da die PDA nicht wirkte wurde ich inmitten dieses Albtraums der Geburt sofort in Vollnarkose versetzt. Als ich aufwachte, lag unsere kleine Zoe, mit 1.420 g und 42 cm vier Stockwerke über mir auf der Intensivstation – im Inkubator, mit etlichen Kabeln am winzigen Körper und einer Magensonde in der Nase.

Die Sorge war bei der ersten Begegnung größer als die Liebe.

Doch Zoe war einfach eine kleine Kämpferin und entwickelte sich prächtig – sogar das Stillen klappte. Mit 1,8 kg durften wir Zoe dann nach ca. drei Wochen mit nach Hause nehmen – das war einer der schönsten Tage in meinem Leben, gefolgt von einer intensiven Kennlern- und Kuschel-Zeit, die wir noch einmal mehr genossen haben.

Heute ist Zoe mit ihren zwei Jahren und einem ganz „normalen“ Gewicht von 13 kg eine gesunde und lebhafte Pippi Langstrumpf und ich bin unendlich dankbar für das Glück, das wir hatten. Ich würde mir wünschen, dass dem Thema „Schwangerschaftsvergiftung“ mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und die einfach durchzuführenden Urintests bei frühen Anzeichen auch angewendet werden.

Mum & still me: Seit wann gibt es deine Agentur und wie klappt der Alltag mit Job und Kind?

Juliane: Ich habe STILGEFLÜSTER 2011 in Hamburg gegründet. Zoe kam drei Jahre später im Oktober 2014 zur Welt. Mein Alltag als Mutter und Agenturinhaberin funktioniert super und ich liebe meinen Job sehr. Dafür müssen aber auch die Umstände stimmen und das tun sie!

Ich habe einfach ein großartiges Team und die allerbeste Partnerin in Crime aka stellvertretende Geschäftsführerin an meiner Seite. Wenn ich dieses Team nicht hätte, wäre das alles so nicht möglich.

Das Verständnis mir und meiner Mutterrolle gegenüber ist wirklich grenzenlos. Dafür bin ich meinen Mitarbeitern unheimlich dankbar.

Ich versuche immer möglichst viel Transparenz zu schaffen, damit Verständnis überhaupt möglich ist. Nur die macht es möglich, dass sie vor allen Dingen die Mädels ohne Kinder verstehen in welcher Situation man sich manchmal befindet.

Neben meinem Team sind es vor allen Dingen Zoes Großeltern, die im liebevollen Dauereinsatz einen Wahnsinns-Support leisten. Und nach und nach beginnt man auch sich gegenseitig im Mami-Netzwerk zu organisieren. Das fühlt sich wahnsinnig gut an und macht Spaß.

Mum & still me: Was hat deine Tochter im Moment am liebsten auf dem Teller?

Juliane: Das kommt ganz drauf an. Sie mag eigentlich fast alles und ist in Hinblick auf ihren Teller experimentierfreudig und begeisterungsfähig. Aber Zoes absolute Leibspeise ist derzeit – und jetzt wird es ganz kreativ – Nudeln mit Tomatensoße. Mindestens genauso gerne würde sie auch eine Portion „Gummibärchen“ zum Mittag essen, wenn man sie ließe.

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