Alt, alt, alt sind alle meine Kleider! Kleiderspenden per Post

Bild: Deutsche Kleiderstiftung

Flohmarkt, Kleidertausch, Upcycling und Co.: Was macht ihr mit Kleidung, die noch ordentlich und gut erhalten ist, bei euch im Schrank aber ganz hinten in der Ecke vor sich hinschlummert? Ist die Altkleidersammlung für euch eine Option?

In den letzten Jahren hat der Ruf von Altkleiderspenden gelitten. Es wurde den Unternehmen und Verbänden vorgeworfen, damit heimische Märkte in Dritte Welt Ländern zu schwächen. Ulrich Müller, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Kleiderstiftung, hat dazu Stellung bezogen.

Mum & still me: Die Altkleidersammlung hat ihren guten, wohltätigen Ruf in den letzten Jahren immer wieder verteidigen müssen. Kritik wurde besonders im Hinblick auf Dritte Welt Länder laut, deren heimische Textilindustrie durch die Importe aus Europa quasi chancenlos war. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Ulrich Müller: Wir gehören dem Dachverband FairWertung e.V. an und verpflichten uns damit zu verantwortungsvollem Umgang mit Kleiderspenden. Eine Studie des Dachverbandes ergab: Die Arbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern sorgt leider häufig für Missverständnisse. Demnach muss vor einem Urteil berücksichtigt werden, ob im Land eine ausreichende Infrastruktur für eine flächendeckende Versorgung gegeben ist (in vielen Staaten gerade des afrikanischen Kontinents fehlt es beispielsweise an einer stabilen Stromversorgung oder an ausreichend Wasser) und ob die aus Europa importierten Second-Hand-Textilien nicht vielmehr als ein Gegengewicht zu minderwertiger Neuware aus China gesehen werden muss.

Die von Europa gelieferten Textilien können außerdem von der Beschaffenheit und dem Design keine Konkurrenz zu traditionellen Gewändern darstellen.

Vielmehr ist davon auszugehen, dass man in vielen afrikanischen Staaten und Ländern des Nahen Ostens sowie Südostasiens für bestimmte Anlässe traditionelle Gewänder aus heimischer Produktion kauft, während man für andere Bereiche des täglichen Lebens auf einen anderen Stil mittels Second-Hand-Kleidung zurückgreift.

Mum & still me: Auch in Albanien erhalten alleinstehende Frauen und Mütter Kleiderspenden von Ihnen – aber nicht für den Eigenbedarf, sondern um damit zu handeln. Könnten Sie mir ein bisschen über das Projekt erzählen?

Ulrich Müller: Dieses besondere Projekt wurde für bedürftige Frauen in den Bergdörfern Nordalbaniens geschaffen. Man kann es als nachhaltiges Hilfsprojekt unter dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe” bezeichnen. Unser Kooperationspartner, der Verein Vizion, wählt die Teilnehmerinnen nach der Hilfsbedürftigkeit aus und begleitet sie kontinuierlich.

Mit den von uns bereitgestellten Textilien können die Frauen in ihrer unmittelbaren Umgebung Handel treiben und vom Verdienst eine Existenz für sich und ihre Kinder aufbauen.

Gleichzeitig profitiert auch die sehr strukturschwache Region, in der es kaum Geschäfte gibt.

Bild: Deutsche Kleiderstiftung

Mum & still me: Vielen Menschen ist es zu umständlich, die Kleider bis zu Tonne zu schleppen. Sie bieten inzwischen aber auch den Paketversand an. Wie funktioniert das?

Ulrich Müller: Noch nie war es so einfach Kleidung und Schuhe zu spenden. Alles was man für eine Spende an uns braucht ist ein Karton, in den man direkt vom Kleiderschrank aus gut erhaltene Kleidung, Schuhe und Accessoires wie Gürtel oder Handtaschen, die man nicht länger benötigt, direkt einpackt. Auf unserer Internetseite www.kleiderstiftung.de lässt sich kostenlos und einfach ein Versandschein erstellen, auf dem bereits der Empfänger eingetragen ist und mit dem man kein Porto bezahlen muss. Einfach den Schein auf das Paket kleben und ab damit zur Post oder zum Hermes-Shop.

Schon kann man sicher sein, mit seiner Kleiderspende unmittelbar unsere Projekte zu unterstützen.

Auf unserer Webseite kann man zudem die Projekte, die wir unterstützen sowie Infos zu aktuellen Lieferungen einsehen und damit nachverfolgen, wo die Spenden ankommen.

Alt, alt, alt sind alle meine Kleider! Kleiderspenden per Post

Wenn Kinder stürzen – und wir sie nicht auffangen

Alt, alt, alt sind alle meine Kleider! Kleiderspenden per Post

Nähen: Aller Anfang ist schwer – Spaß macht’s trotzdem!

Newer post

Post a comment

*