Mum des Monats: Zwei Jahre Mamasein – Silke über Trotzphase, Vereinbarkeit von Familie und Job und große, große Liebe

In meiner Rubrik “Mum des Monats” stelle ich Frauen vor, die ich besonders und toll finde. Wie Silke. Als ich sie gefragt habe, ob sie Lust auf das Interview hätte, entgegnete sie zunächst, sie sei doch nur eine ganz normale Mama. Aber – sind wir das nicht alle? Ganz normal und doch ganz individuell und besonders.

Silke kenne ich seit dem gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs vor über zwei Jahren. Ihre kleine Tochter kam nur einen Tag vor meinem Söhnchen auf die Welt. Aus der Zufallsbekanntschaft wurde Freundschaft. Ich bin so dankbar, dass Silke schließlich doch Lust auf das Interview hatte, denn ihre Antworten sind alles andere als Alltagsgeschwätz. Sie sind berührend und offen. Danke dafür und alles Liebe zum zweijährigen Mamasein!


Mum & still me: Unsere Kleinen werden im Juli zwei Jahre alt. Was hat sich in diesen zwei Jahren am meisten in deinem Leben verändert?

Silke: Eigentlich ist es leichter die Frage zu beantworten, was hat sich nicht verändert. Vor fast zwei Jahren hat sich mein bisheriges Leben einmal auf den Kopf gestellt. Ich möchte es nicht missen und ich genieße jeden Moment den ich mit meiner kleinen Familie verbringen darf, aber es gab in der Tat die eine oder andere größere Veränderung. Ich denke die größte Veränderung war, dass man auf einmal Verantwortung für einen kleinen Menschen hatte. Von heute auf morgen wurde aus einem Paar Eltern – Die Zeit zu Zweit wurde Zeit zu dritt und aus ich wurde wir.

Im zweiten Lebensjahr war eine große Veränderung, dass man sich als Familie organisieren muss.

Jetzt mit Kita und Arbeit weiß ich, was Organisation heißt, vieles im Alltag muss organisiert werden. Oft sitzen mein Mann und ich an den Abenden auf dem Sofa und planen die nächsten Tage, wer hat welche Termine, Verabredungen etc. Manchmal sehne ich mich dann nach der Spontanität von vor zwei Jahren zurück – einfach das zu tun, was ich gerne machen möchte. Gerade im Sommer, wenn abends auf den Straßen die Leute wieder draußen sitzen, vermisse ich es nicht einfach spontan rausgehen zu können…aber so leicht ist es halt nicht mehr.

Es hat sich aber auch etwas bei mir zum Positiven verändert – ich bin selbstbewusster geworden.

Mum & still me: Was sind deine Lieblingsmomente mit deiner Tochter?

Silke: Es gibt viele kleine Lieblingsmomente. Das gemeinsame Kuscheln im Bett, wenn Sie mir voller Stolz zeigt was sie für sich gerade wieder großartiges neues entdeckt hat (z.B. eine Ameise) und sie sich richtig darüber freut. Aber am allerschönsten, sind die Momente, in denen wir gemeinsam Quatsch machen, rumalbern, uns kaputt lachen oder ich sie einfach nur zum lachen bringen kann.

Mum & still me: Hast du dir den Alltag als berufstätige Mutter so vorgestellt oder hat dich die Realität überrascht? Was hättest du gerne vorher gewusst?

Silke: Ich glaube ich hatte gar nicht so konkrete Vorstellungen, wie es sein wird als berufstätige Mutter. Ich habe mich darauf gefreut. Die ersten drei Wochen waren anstrengend, da man seinen Rhythmus mit Arbeit, Kind Haushalt etc. erst einmal finden musste aber das klappt mittlerweile gut. Mehr hat mich überrascht, wie es war wieder ins Büro zu kommen. Während meinem Jahr Elternzeit habe ich auf geringer Stundenbasis für mein Unternehmen weitergearbeitet. Daher hatte ich auch während diesem Jahr immer guten Kontakt. Eigentlich dachte ich daher, dass ich auf den Wiedereinstieg gut vorbereitet sei. Aber als dann am ersten Tag mein Schreibtisch nicht eingerichtet war und mein Chef nicht da, kam ich mir dann doch ein wenig blöd vor.

Über die Zeit hat es sich dann alles gefunden aber so wie früher fühle ich mich immer noch nicht bei der Arbeit.

Es lag auch mit an mir aber ich hatte das Gefühl, dass ich bei meinen Kollegen nicht mehr das gleiche “Standing” wie früher hatte – jetzt bin ich Mama und nur Teilzeit da. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Sprüche wie “du bist ja nur Teilzeit” oder “hast du einen halben Tag Urlaub” trafen mich härter als gedacht. Hinzu kam, das sich mein Aufgabengebiet erst nach ein paar Monaten klar definiert hat.

Diese Kombination hat mich oft zweifeln lassen und ich hatte das Gefühl als Mutter nicht ernstgenommen zu werden.

Überspitzt gesagt, nur weil ich ein Kind habe, habe ich ja nicht bei der Geburt mein Gehirn mit abgegeben. Mittlerweile hat es sich aber alles gut gefunden, ich ziehe meine Vorteile aus der Teilzeit und meinen Job kann ich in der reduzierten Stundenzahl trotzdem gut erledigen. Ich hätte allerdings trotzdem gerne vorher gewusst, was da so emotional auf mich zukommt.

Mum & still me: Was ist dir besonders wichtig bei der Erziehung deiner Kleinen?

Silke: Mir ist es wichtig, dass wir ein gutes Verhältnis zu unser Tochter haben und sie weiß, dass sie sich auf uns verlassen kann. Und uns ist wichtig, dass sie ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt.

Klingt kitschig aber ich denke das Liebe und Bauchgefühl wichtige Bestandteile der Erziehung sind.

Manche Entscheidungen treffe ich intuitiv aus dem Bauch heraus. Nichts desto trotz gehören aber für mich auch klare Regeln zur Erziehung dazu, die ihr einen Rahmen vorgeben, was richtig oder falsch ist. In diesem Rahmen lasse ich ihr den Freiraum, Dinge selber auszuprobieren um durch die Erfahrungen zu lernen.

Mum & still me: Gab es in den zwei Jahren eine (Entwicklungs-) Phase, die für dich besonders herausfordernd war?

Bisher dachte ich, dass die ersten drei Monate die schwierigste Zeit für mich gewesen seien. Aber seit kurzem haben wir ein sehr trotziges Kind zu Hause. Die Trotzphase wird gerade in allen Facetten gelebt. Eben noch gut drauf und im anderen Moment wird losgeheult, getreten oder gebissen was das Zeug hält, nur weil ich nein gesagt habe oder der Gummistiefel sich nicht anziehen lassen will. Erst gestern hatte ich meinen ersten Trotzanfall auf der Straße.

Da lag mein Kind nun heulend auf dem Boden mitten auf dem Fußweg. Es war schon nicht einfach die Blicke der vorbeigehenden Passanten auszuhalten.

In meinem letzen Elternbrief, den ich bekommen habe, stand etwas über die Trotzphase drin – “Herzlichen Glückwunsch sie haben ein gesundes Kind! Nehmen sie es nicht persönlich – die kleine trotzende Gestalt ist jetzt drauf angewiesen, dass sie die Ruhe bewahren”. Leichter gesagt als getan, aber die Phase dauert ja nur noch ca. ein Jahr…

Mum & still me: Hast du einen Tipp für Mums-to-be und neue Mamas auf Lager, der dir mit deiner Tochter auch hilfreich war?

Silke: Am meisten hat mir und hilft mir heute noch der Austausch mit Müttern, die ein Kind im selben Alter haben. Oft stellt man in Gesprächen fest, dass alle sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Man tauscht sich aus und man bekommt viele wertvolle Tipps.

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