Mama kann mich nicht mehr tragen.

Wie ich es geliebt habe, meinen kleinen Sohn zu tragen. Erst im Tragetuch, dann in der Manduca. Auf dem Arm sowieso. Diese Verbundenheit und Nähe sind so etwas Schönes. Als er noch ein kleines Baby war und ich ihn an meinem Bauch trug, konnte ich ganz nah erleben, was ihn gefesselt hat und was seine Aufmerksamkeit gebündelt hat. Ein klein bisschen konnte ich es nachfühlen, wie es sein könnte, die Welt aus seinen Augen zu betrachten.

Ein schlafendes Baby im Tragetuch oder in der Tragehilfe ist wundervoll. Das zarte Schnaufen. Das klebrige Spuckebäckchen. Das feine Zucken im Traum. Hach.

Aber auch später, als Kleinkind habe ich ihn auf Reisen und bei kleinen Wanderungen in die Tragehilfe gepackt. Hände frei, Kind sicher und geborgen untergebracht – besser gehts nicht.

Tja und dann kam plötzlich der Cut. Auf die harte Tour.

Ich wurde wieder schwanger. Die Ärztin meinte: kurz heben ist okay, aber keine 10 oder 15 Minuten durch die Gegend schleppen… Ich versuchte mich daran zu halten – aber… Irgendwie war er doch noch mein Baby im Herzen. Manchmal muss er eben auf den Arm. Und bei einer gemeinsamen Reise brachte ich ihn, gestützt und angelehnt an eine Wand, in der Manduca zum Schlafen, bevor ich ihn selig schlummernd auf den Zugsitz positionierte. Ob deswegen oder aus anderen Gründen: wenige Tage später bekam ich Blutungen und absolutes Trageverbot und Schonungsgebot.

Es fiel mir schwer. Aber wie muss es erst für meinen Kleinen gewesen sein?

Seine gewohnte Welt geriet aus der üblichen Umlaufbahn. Eine kleine Veränderung, möchte man meinen. Ich war ja noch da, konnte ihn in den Arm nehmen. Aber ich versetzte mich (so gut es ging) in ihn hinein und ich sah ein Kind, das bislang immer darauf zählen konnte, viel und sicher getragen zu werden. Er war ja noch keine zwei Jahre alt. Und plötzlich ging es nicht mehr. Mama kann nicht mehr tragen.

Die ersten Tage, ja Wochen, in dem neuen Zustand fielen dem Söhnchen sichtbar schwer. Auch in der Kita wurden wir gefragt, ob sich im familiären Rahmen etwas geändert hätte. Ein Stich in mein Mamaherz… Er war sehr anhänglich, oft und schnell sehr traurig und zornig und teilweise auch in sich gekehrt. Mir tat das sehr weh. Aber mir waren die Hände gebunden.

Ich habe viel über die Entthronung von Erstgeborenen gelesen. Jetzt verstehe ich im Ansatz, was damit gemeint sein könnte.

Inzwischen sind einige Wochen vergangen. Eine neue Normalität ist eingekehrt. Die Traurigkeit darüber, dass ich ihn nicht mehr tragen kann, ist bei ihm scheinbar komplett verflogen. Er ist so lebendig und fröhlich. Ich gebe zu – ich vermisse es nach wie vor ab und zu, ihn auf den Arm zu nehmen. Aber ich bin auch voller Bewunderung für dieses kleine Menschlein, das sich vergleichsweise schnell an die neuen Bedingungen angepasst hat. “Mama kann nicht tragen”, sagt er ab und zu noch. Aber eher feststellend als klagend. Und außerdem – es gibt ja auch noch den Papa. Und der trägt ihn nach vor auf Händen.

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