Phänomen “Erschöpfte Mutter” – 5 Tipps um nicht unter zu gehen

Alles muss perfekt sein. Glänzende Armaturen, liebevoll zubereitetes Essen, dabei selbst immer lächelnd und top gestylt. Schwäche? Gibt es nicht. Kein Wunder, dass das Phänomen “Erschöpfte Mutter”  so weit verbreitet ist.

Selbst wenn wir nicht ganz so streng mit uns sind: es gibt Phasen im Leben jeder Mama, in denen sie wie ein Goldfisch im trüben, grünen Algenwasser nach Luft schnappt. Jede Mutter hatte schon einmal einen Moment, in dem sie die Pause Taste drücken wollte. Einfach um einen kurzen Moment der Ruhe zu haben.

Mama sein macht krank

Dem Müttergenesungswerk zufolge ist Mutterschaft inzwischen ein echtes Krankheitsrisiko:

Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen.

Die Diplom-Pädagogin Friederike Otto vom Forschungsverbund Familiengesundheut an der Medizinischen Hochschule in Hannover stellt fest:

20 Prozent aller Mütter sind so fertig, dass sie Behandlung brauchen. Und weitere 30 Prozent sind zwar nicht pathologisch erschöpft, aber sie fühlen sich kurz vorm Zusammenbruch.

Woher kommt das? Einige Kommentare, wie etwa der umstrittene Artikel von Caroline Rosales auf ZEIT Online, schieben es aufs bedürfnisorientierte Erziehen, das sie rein auf das Bedürfnis das Kindes reduzieren. Aber ein Kind braucht auch entspannte, ausgeglichene Eltern. Attachment Parenting ist keine Einbahnstraße.

Wir wollen alles

Wenn aber nicht das Tragetuch oder die liebevolle Einschlafbegleitung zum Sündenbock gemacht werden kann, was dann? Friederike Otto sieht den Hauptgrund in den veränderten Lebensumständen der Frauen:

Noch vor 20, 30 Jahren heirateten Frauen, bekamen Kinder und blieben zu Hause, und wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus war, kehrten sie vielleicht zurück in einen Job. Heute gibt es immer mehr Alleinerziehende, 80 Prozent der Mütter sind berufstätig.

Ich weiß ja auch nicht, was uns Mamas so müde macht. Von miesen Murksnächten unserer Kleinsten mal abgesehen. Klar, da sind Frauen, die fast komplett alle Care-Arbeit in der Familie übernehmen, nebenher in Teilzeit oder Vollzeit arbeiten und keinen familiären Support haben. Das ist schon viel.

Wir wollen für unsere Kinder da sein. Ihnen eine wundervolle Kindheit schenken. Gleichzeitig auch selbst unseren Weg gehen. Uns beruflich entwickeln.

Manche Frauen sind zuhause. Häufig im Rechtfertigungsdruck, wieso sie denn nicht arbeiten gehen würden. Dabei wollen sie das Management von Haushalt und Kindern so zur Perfektion bringen, dass alles blitzt und blinkt, die Kinder durch gemeinsame Unternehmungen und Basteleien gefördert werden und jeden Abend ein frisches, gesundes Essen auf dem Tisch steht.

Wie ich mich vor dem “Ich kann nicht mehr” schütze – 5 Tipps

Es wäre so leicht, so reizvoll in diesen Leistungssog hinein zu geraten. Aber ich habe ein paar Dinge, die ich für mich umsetze, damit ich dieser gefährlichen Versuchung nicht erliegen kann. Oder es zumindest versuche.

  1. Ich mache niemandem etwas vor, am wenigsten mir selbst: Hausarbeit nervt mich krass. Klar, wenn alles aufgeräumt ist und das Bad glänzend rein ist, dann ist das sehr schön. Ich versuche es auch, jeden Tag alles halbwegs ordentlich zu halten. Aber. Großes, großes aber: Spätestens seit das Sommerkind in mein Leben getreten ist, weiß ich, dass die aufgeräumte Wohnung nicht lange aufgeräumt ist. Dass das Chaos, das gerade beseitigt wurde, gleich darauf einem noch größeren Durcheinander Platz macht. Deshalb lasse ich meine Staubmäuse ein, zwei Tage liegen, bevor ich sie weg mache. Lasse den Wäscheberg wachsen, wenn mir danach ist. Mache nur Brote, statt zu kochen, wenn ich zu müde fürs Kochen bin. Und siehe da: es lebt sich ganz wunderbar so.
  2. Frühstück, nur für mich…

    Ich gönne mir konsequent Auszeiten. Schon ab der sechsten Woche haben wir unser Sommerkindchen sanft an die Flasche gewöhnt, so dass ich trotz vollem Stillen auch mal ein paar Stündchen nur für mich sein konnte. Mich mit meinen Mädels treffen konnte. Für ein paar Stunden nur an mich denken durfte. Es hat mich auch gelehrt, Loszulassen, zu vertrauen. Aus stundenweisen Auszeiten wurden später auch mal Wochenendtrips. Jedesmal war so belebend. Der Akku wurde aufgeladen. Und selbst wenn es nicht gleich ein paar Tage sind: ich gönne mir dann und wann eine Beauty Behandlung, ein schönes Frühstück oder eine Yoga Stunde – nur für mich. Nicht zu vergessen: Auch Mamas haben Feierabend! Hoch die Beine! Das gilt ganz besonders für Frauen, die sich ganz auf die Care-Arbeit zuhause konzentrieren und nicht noch zusätzlich arbeiten. Erlaubt euch, abzuschalten.

  3. Es gibt keine perfekte Erziehung. Ich habe mein Kind angegrummelt und habe nicht verständnisvoll reagiert. Wird es deswegen für immer und ewig einen Schaden haben? Nein! Wir lieben unsere Kleinsten. Wichtig ist in meinen Augen und nach all dem, was ich aus meinem Pädagogik Studium mitgenommen habe, dass wir ihnen unsere Liebe zeigen und für sie da sind, dass wir sich in sie hineinversetzen und ihre Entwicklungsphasen versuchen zu verstehen und sie dabei liebevoll begleiten. Ob wir unsere Babys stillen oder nicht. Ob unsere Kinder im Familienbett oder im eigenen Zimmer schlafen. Ob wir sie in die Kita geben oder die ersten Jahre zuhause betreuen. Ob wir das erste Jahr zuckerfrei großziehen oder das Baby mal am Eis lecken darf. Darüber lässt sich trefflich streiten. Aber die Wahrheit ist: wenn wir unseren Kindern ein sicheres Gefühl des Geliebtwerdens schenken, ihre Bedürfnisse erkennen und annehmen, verlässlich für sie da sind und das alles so etwa die ersten drei Jahre durchziehen, dann ist die Basis gesetzt. Die Basis für ein starkes Kind, dass auch mal Grummellaune verzeiht. Beziehungsweise lernt, dass Grummellaune gar nicht schlimm ist.
  4. Ihr müsst euch nicht gehen lassen. Genauso wenig müsst ihr euch so lieben, wie ihr seid. Ihr müsst gar nichts. Ihr könnt aber. (Ich erinnere an der Stelle an meine Meinung zu Body Positivity) Nur eines ist wichtig. Erinnert euch da immer wieder mal dran. Niemand, wirklich niemand ist perfekt. Weil wir alle Menschen sind. Mit Blähungen, Pickeln, Augenringen. So ist das eben. Also stresst euch bloß nicht wegen Körperkram.
  5. Vielleicht am wichtigsten: selbst wenn wir noch so sehr auf uns achten. Ab und zu ist eben Schicht im Schacht. Dann holt euch Unterstützung. Sagt es rechtzeitig. Lasst eure Mamas und Schwiegermamas anreisen. Spannt den Papa ein. Bittet Freundinnen zu Hilfe. Redet darüber. Nehmt euch frei. Geht zum Arzt und fragt nach Mutter-Kind-Kuren. Erhobenen Hauptes. Da ist nichts dran, wofür man sich schämen müsste. Wirklich.

 

 

Phänomen “Erschöpfte Mutter” – 5 Tipps um nicht unter zu gehen

Viel. Zu. Früh.

Phänomen “Erschöpfte Mutter” – 5 Tipps um nicht unter zu gehen

Babys Erstausstattung: weniger ist mehr!

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There are 4 comments

  1. Claudia

    Toller, aufmunternder Blogpost!! Auch mir hat gerade die laufende Instagramchallenge #mompositivity wieder vor Augen geführt, dass ich mir Auszeiten schaffen muss, um mit drei Kids ausgeglichen zu sein. Dass nicht immer alles top sein (der Perfektionismus ist mein großer Makel) und das ich mich als derzeitige Hausfrau nicht rechtfertigen muss!
    Vielen Dank auch für Deine Worte, die sicherlich der einen oder anderen Leserin gut tun werden….Viele Grüße! Claudia

    1. Sabine Ponath

      Danke liebe Claudia ❤️ Ich bin auch schon früher im quasi Mutterschutz und nicht mehr im Büro – dachte anfangs ich werde jetzt eben den „Hausfrauenjob“ zur Perfektion treiben. Aber wo hört man auf, wo fängt man an? Man kann sich dabei total wahnsinnig machen. Und perfekt ist es eben doch nie. Alle haben mehr von einer entspannten Mama. Hab einen schönen Tag!

  2. Tina

    Danke, dass Du dieses Thema aufgegriffen hast. Es wird so oft übergangen…dieser Blogeintrag trifft mich wirklich mitten in’s Herz, danke!

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