Heultage: Die Zeit, die Zeit…

Und plötzlich bin ich zweifache Mama. Schneller als gedacht. Der Kugelbauch ist leer, kein strampelndes Knäuel mehr in mir – dafür jetzt in unseren Armen. Noch bevor ich es schaffe, euch meinen Geburtsbericht aufzuschreiben – der hat es in sich und wird noch ein paar Tage „Verdauen“ in Anspruch nehmen, will ich euch erzählen, was mich an den so genannten Heultagen nach der Geburt umgetrieben hat.

Hattet ihr sie auch, diese Heultage? Wenn im Körper alle Hormone Achterbahn fahren und man beim Anblick eines Vögelchens vor dem Fenster in Tränen ausbrechen könnte (und es tatsächlich tut)?

Abschied von meinem Einzelkind

Vor der Geburt dachte ich, ich sein diesmal ja vorbereitet. Das Leben ist mit einem Baby anders, diese Erfahrung habe ich schon gemacht und sie fiel mir damals nicht leicht.

Aber auch diesmal hat mich die Umstellung gehörig abgewatscht. Bevor ich ins Krankenhaus fuhr, war ich Einzelkind Mama. Ich war so eng mit meinem Sommerkindchen, kein Blatt passte zwischen uns. Davon abgesehen, dass ich natürlich auch einen großen Teil des Tages alleine mit ihm verbrachte.

Danach war nicht nur das Baby in meinem Bauch, mein exklusiv nur mir gehörendes Baby, plötzlich in der Welt und nicht mehr unmittelbar mit mir verbunden. Auch mein großes Baby, mein Sommerkind, nahm plötzlich vorsichtigen Abstand von seiner Mama, die gar keinen großen Bauch mehr hat, komisch läuft, dauernd ein kleines Baby an der Brust nuckeln hat und nur rumliegt. Ich kann es ihm nicht verdenken. Das kleine Seelchen wendete sich umso mehr seinem Papa zu, seiner verlässlichen Konstante. Er ließ sich zwar immer noch von mir vorlesen, auch gemeinsames Spielen ging bald wieder. Aber doch war es anders. Er mied meine körperliche Nähe plötzlich. Zu Bett bringen, trösten, sogar wickeln – das musste nun vom anderen Elternteil übernommen werden.

In den ersten Tagen nach der Geburt fehlte mir mein großes Kind so sehr, dass ich mir kein Foto von ihm ansehen konnte, ohne benahe oder tatsächlich in Tränen auszubrechen. Mich würde ja interessieren, ob andere Zweifachmamas ähnlich empfanden und wie lange das so ging, bis eine neue Normalität einkehrte.

Ich träumte davon, die Zeit noch einmal zurück drehen zu können. Nochmal diese zweieinhalb Jahre bewusst erleben, mein Sommerkind als Baby auf dem Arm halten. Plötzlich ist er so groß, so weit in seiner Entwicklung.

Ich denke daran zurück, wie wir zusammen ein Lied singen und dazu Quatsch tanzen, er mit seinen kleinen nackten Füßchen auf den Boden patschend. Wie er sich in meinen Arm kuschelt und ich sein Köpfchen rieche, seine weichen Babyhaare. Wie er strahlend an seiner ersten Kugel Eis leckt. Wie er laufen lernt und sich vertrauensvoll in meine Richtung fallen lässt.

Ein neues Kapitel beginnt

Diese und unzählige weitere  Erinnerungen gehören mir. Ich habe sie fest in meinem Herz verwahrt. Diese Momente kommen nie zurück. All das wird mir so klar, jetzt wo er ein bisschen Abstand von mir braucht und jetzt, wo ein neuer kleiner Mensch in meinen Armen liegt.

Heute, ein paar Tage später, bleibt ein kleines Stückchen Wehmut. Die Zeit, sie vergeht gnadenlos. Aber ich bin dankbar für diese wunderschönen Jahre. Genauso wie ich dankbar bin, dass unsere Familie noch einmal wachsen durfte. Irgendwann wird sich mein Sommerkindchen an diese neue Situation gewöhnen und wieder zurück kehren, meine Nähe suchen. Es ist okay. Ich warte auf ihn.

Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen. Aber das muss sie auch nicht. Jetzt beginnt ein neues Kapitel unserer Geschichte. In meinem Herzen ist Platz für noch so Vieles.

Heultage: Die Zeit, die Zeit…

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There are 3 comments

  1. Stefanie R.

    Ach bei uns war alles etwas anders… Unser kleiner kam ja mit einem Herzfehler zur Welt so dass er erst mal in der Klinik bleiben und operiert werden musste. Der große Bruder durfte oft nicht zu ihm mitkommen so dass ich immer wieder weg musste.
    Erst nach 15 Tagen konnten wir nach Hause so dass ich auch die Heultage in der Klinik verbracht habe. Leid hat mir aber vor allem unser großer getan, ihn hat das alles sehr mitgenommen.

    1. Sabine Ponath

      Oh Gott, das glaube ich total. Noch so klein haben sie ein wahnsinniges Gespür dafür, wenn etwas anders ist oder Mama und Papa nicht gut drauf sind. 15 Tage Klinik stelle ich mir echt heftig vor, vor allem den Spagat mit dem älteren Brüderchen. Wie lange hat es so gedauert, bis ihr euch als Familie in der neuen Konstellation danach eingependelt habt?

  2. Uta

    Herzlichen Glückwunsch erstmal! Unser 2. Sohn geboren wurde (übrigens auch Silvester), kam mir Sohn 1 (damals auch 2,5 Jahre alt und eng mit mir verbunden) plötzlich so absurd groß vor. Aus seinen niedlichen Babyhänden waren über Nacht gefühlt Pranken geworden, sein kleiner Po wirkte so riesig beim Wickeln. Diese Erinnerung habe ich wirklich sehr eindringlich. Dass mein kleiner Junge mir auf Knopfdruck groß erschien. Das war fast ein kleiner Schock. Heultage hielten sich zum Glück wegen ambulanter Geburt in Grenzen. Der Kleine kam um 20 Uhr und wir konnten um 23 Uhr schon zu Hause sein. Das hat uns allen schnell Normalität und Geborgenheit gegeben.

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