Gestaltungskompetenz
Wie unsere Kinder Nachhaltigkeit lernen

Nachhaltigkeit. Ein Begriff, der so abgedroschen ist, wie kaum sonst einer. Alles ist nachhaltig, irgendwie. Der Dosenthunfisch. Die Jacke aus Plastikstoffen. Selbst bei den Discountern um die Ecke ist jetzt alles nachhaltig, gefühlt. Nachhaltige Entwicklung wird so zum verwässserten Verkaufsschlager.

„Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“ (Brundtland-Kommission 1987)

Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit so wichtig, wie lange nicht. Beim Klimagipfel im polnischen Kattowitz warnt UN-Generalsekretär António Guterres: “Wenn wir versagen, werden die Arktis und Antarktis weiter schmelzen, die Korallen sterben, die Meeresspiegel steigen; mehr Menschen werden an Luftverschmutzung sterben und an Wasserknappheit und die Kosten dieses Desasters werden durch die Decke schießen.”

Die Zukunft unserer Kinder beginnt jetzt

Schon jetzt ist klar, dass das Pariser Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celcius zu begrenzen, kaum mehr erreicht werden kann. Die Regierungen kommen nicht aus dem Arsch. Sorry für die drastischen Worte – aber was hier vor unseren Augen gerade passiert, ist drastisch.

Auch wir können unseren Beitrag leisten. Vielleicht müssen wir es sogar, wenn wir uns später einmal von unseren Kindern nicht fragen lassen wollen: “Mama, warum habt ihr nichts gemacht?” Eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, um unsere Welt etwas besser zu machen ist für mich Bildung, konkret: unseren Kindern den Erwerb von Gestaltungskompetenz zu ermöglichen. Gestaltungs – what?

Prof. Dr. Marco Rieckmann / Bildquelle: Universität Vechta

Prof. Dr. Marco Rieckmann / Bildquelle: Universität Vechta

Prof. Dr. Marco Rieckmann, Professor für Hochschuldidaktik, Schwerpunkt Schlüsselkompetenzen an der Universität Vechta, hat mir dazu im August ein Interview gegeben:

“(…) wir können sie dabei unterstützen, sich mit Fragen einer nachhaltigen Entwicklung auseinander zu setzen und Kompetenzen für nachhaltigeres Handeln zu entwickeln. Damit helfen wir ihnen dabei, sich in einer immer komplexer werdenden Welt zurecht zu finden, und kleine Beiträge zu leisten, sie zu einer besseren Welt zu machen. Wenn sie dies denn möchten. Denn letztlich bleibt es jeder und jedem selbst überlassen zu entscheiden, wie sie oder er sich verhalten möchte. Bildung kann hier nur Voraussetzungen schaffen und Anstöße geben.”

Die wichtigste Kompetenz dafür, unsere Zukunft nachhaltig gestalten zu können, ist eben Gestaltungskompetenz.

Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können.

Ein Werkzeugkasten für die Zukunft

Wenn ich die Nachrichten sehe, wenn ich merke, dass der Klimawandel sich schon jetzt extrem auf die Menschheit auswirkt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, dann frage ich mich in welcher Welt unsere Kinder wohl als Erwachsene leben werden. Geht es euch auch so? Ich halte nichts von Verschwörungstheorien oder Untergangsszenarien, aber ich will, dass meine Kinder die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können. Wir können unseren Kindern einen Werkzeugkasten an die Hand geben, um ihre Zukunft aktiv selbst gestalten zu können.

Die zwölf Teilkompetenzen der Gestaltungskompetenz:

  1. Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen
  2. Vorausschauend Entwicklungen analysieren und beurteilen können
  3. Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln
  4. Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können
  5. Gemeinsam mit anderen planen und handeln können
  6. Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können
  7. An kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben können
  8. Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden
  9. Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können
  10. Vorstellungen von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage nutzen können
  11. Selbstständig planen und handeln können
  12. Empathie für andere zeigen können

Ganzschön viel. Mein Sommerkind ist ja eigentlich noch so klein. Aber ich will in den nächsten Wochen Teilkompetenz für Teilkompetenz näher vorstellen und überlegen, wie kleine und größere Kinder das jeweils mit Herz und Spaß lernen könnten. Was haltet ihr davon? Seid ihr dabei?

 

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