Menstruation ohne Müll
Period Panty und Menstruationstasse im Test



Alles begann, nachdem ich mir eine Kupferspirale einlegen ließ. Es war wie in einer dieser Bravo Girl Horrorszenarien: plötzlich war meine Periode so stark, dass Tampon und Binde kapitulierten. Während ich auf dem Rad saß spürte ich, dass meine Menstruationsblutung erstmals auch meine Hose in Mitleidenschaft gezogen hatte. Nie wieder, dachte ich mir, und begann zu recherchieren, was es an Alternativen zu Tampon und Co. Der Gedanke an Nachhaltigkeit kam erst im Zuge der Recherche.

Was für ein Wahnsinn eigentlich, jeden Monat immer wieder Müll.

Wir verbrauchen vom Beginn unserer Periode bis zu den Wechseljahren durchschnittlich 10.000 bis 17.000 Tampons oder Binden. Müll, der eigentlich vermeidbar wäre.

Period Pantys im Test

Period pants ooshiZufällig fiel die Zeit meiner Recherche gerade in die Zeit, in der das Berliner Startup ooshi eine Crowdfunding Kampagne lancierte. ooshi stellen Period Pantys her, also Schlüpfer, die Binden und Co überflüssig machen sollten. Eine solche Unterhose nimmt etwa die Menge von zwei bis drei Tampons auf. Möglich macht das eine fest eingenähte Einlage aus verschiedenen Stoffen, darunter auch Merino Wolle, die Flüssigkeit vom Körper weg leitet. Die Stoffschicht außen wiederum ist total dicht, so dass keine Flüssigkeit auslaufen kann. Ist die Unterhose “voll” spürt man das an der Feuchtigkeit. Ich wasche meine Pantys dann schnell kalt aus, bevor ich sie dann in die 40 Grad Wäsche gebe. Es ist ziemlich bequem, da zwickt nix. Vom Stoff fühlt es sich ein bisschen an, wie eine Badehose, nur dass der Stoff atmungsaktiv ist und man keine schwitzige Haut hat oder so. Ich habe mir fünf Pantys geleistet – zugegeben, ganz günstig sind die Schlüpfer nämlich nicht. Ein Period Panty Slip mit Spitze kostet 37,95 Euro. Für Binden und Tampons habe ich vorher monatlich um die 5 Euro ausgegeben, rentabel ist das also nicht. Aber: angenehmer. Und gut fürs Gewissen. Man kann die Schlüpfer etwa zwei Jahre lang verwenden, danach lässt die Funktion der Stoffe langsam nach, schreiben die Herstellerinnen. Man kann die Slips dann aber noch als normale Unterhosen weiter tragen.

Klappt das auch bei starken Tagen?

Ich will keine hormonelle Verhütung mehr – der Preis dafür sind stärkere Monatsblutungen als je zuvor. Inzwischen habe ich mich an die Menge gewöhnt, aber musste feststellen: mit Period Pantys alleine komme ich nicht aus. Gar nicht mal, weil sie ausgelaufen wären. Ich hab zwar ein totales Problem damit gehabt, darauf zu vertrauen, aber tatsächlich sind die Unterhosen auslaufsicher. Das Problem ist nur, dass ich sie viel häufiger wechseln müsste, als nur einmal täglich. Dann komme ich mit dem waschen nicht mehr hinterher. Und was mache ich, wenn ich unterwegs bin? Ne, ne. Es war klar: das ist noch nicht die perfekte Lösung für mich. Am Anfang nahm ich an den stärksten Tagen also noch Tampons zu Hilfe. Aber ich fühlte mich nicht wohl: wieder so viel Müll, Trockenheitsgefühl, ihr wisst schon. Also habe ich mich an eine Menstruationstasse herangewagt.

Keine Angst vor Blut

Menstruationstasse Nach der Geburt meiner zwei Jungs bin ich der Empfehlung gefolgt und habe eine Menstruationstasse Größe 2 besorgt. Vielleicht muss ich die Größe nochmal wechseln, denn ein leichtes Fremdkörpergefühl bleibt leider immer, vor allem aufgrund des kleinen Teils unten, das zum Entfernen benötigt wird. Das ist zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig. Zumal ich gelernt habe, dass der Gebärmutterhals während der Periode oft ziemlich tief liegen kann, so dass gar nicht mal so viel “Platz” zu sein scheint. Vor allem bei Frauen, die schon mehr Kinder geboren haben, kann der Muttermund in den Tagen spürbar abgesenkt sein. Die Menstruationstasse sollte nicht allzu tief eingeführt werden, also anders als ein Tampon. Auch das ist erstmal Gewöhnungssache. Ich muss da definitiv noch ein bisschen rumprobieren oder eine andere Größe oder ein anderes Modell testen.

Und machen wir uns nichts vor: wer mit Menstruationstassen hantiert, sollte keine Angst vor Blut haben.

Zwar ist der Anblick nicht groß anders als der eines Tampons. Aber die Menstruationstassen müssen regelmäßig ausgewaschen und nach der Periode auch ausgekocht werden. Mich hat das ja nie groß gestört, ich empfinde auch kein Ekelgefühl oder so. Ich weiß aber, dass das für manche nie in Frage kommen würde.

Das klingt jetzt erstmal alles nicht so attraktiv – aber es gibt einen unschlagbaren Vorteil, der mich jetzt betrifft: die Menstruationstasse hat ein großes Fassungsvermögen, nichts suppt, ich kann vertrauen. Wo Tampons selbst in großen Größen bei mir kapituliert haben, ist die Tasse zuverlässig. Außerdem ist sie sehr praktisch für unterwegs, zum Beispiel wenn es keinen Müll für Hygieneprodukte gibt. Noch ein Riesenvorteil: es treten nachgewiesen weniger Infektionen auf als bei der Nutzung von Tampons.

Fazit

Die nachhaltigen Alternativen zu Tampons und Binden sind super: Frauen mit leichter Regelblutung kommen gut mit Periodenschlüpfern aus, sie sind angenehm und auslaufsicher. Frauen mit starken Tagen können auf die Kombi mit einer Menstruationstasse setzen um Sicherheit zu haben. Ich habe meine perfekte Kombi gefunden und will es nicht mehr anders haben.

Menstruation ohne Müll  Period Panty und Menstruationstasse im Test

Fair Fashion aus Berlin

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