Abschied vom Familienbett

1. November 2019

„Change“ steht auf dem Flicken, den das Sommerkind sich zum Verbergen des Lochs auf seiner Räuberjeans ausgesucht hat. Ich habe ihm erklärt, was das Wort bedeutet und er fand es gut. Zufällig passt es gerade auch in unseren Familienalltag, denn wir haben einen kleinen Schritt unternommen, der für uns alle irgendwie ganz schön groß ist: wir haben Abschied vom Familienbett genommen.

Geliebte Nähe

Leser*innen, die meinen Blog schon länger verfolgen wissen, dass ich eine große Verfechterin des Familienbetts bin. Alle schlafen zusammen, geborgen. Das ist nicht nur wunderschön, wie ich beispielsweise hier schon einmal aufgeschrieben habe. Das ist auch ganz schön praktisch, solange die Kinder noch nicht durchschlafen. Wenn sie anfangen zu weinen oder sich schwer tun wieder einzuschlafen, sind wir als Eltern gleich nah bei ihnen gewesen. Bevor sie hellwach waren schliefen sie im besten Falle wieder ein. Und wir mussten nicht extra aus dem warmen Bett aufstehen. Sogar das Zubettbringen mit zwei Kindern hat schnell ziemlich gut geklappt – auch wenn ich anfangs dachte, das würde ich nie alleine schaffen. Warum dann also jetzt alles anders?

Das große Kind ist jetzt viereinhalb, der kleine Kerl bald zwei. Unser Bett ist 1,80 breit. Es ist eng. Das macht mir in den meisten Fällen gar nicht so viel aus, ich glaube sogar, dass die kleinen Mäuse sich sowieso an uns kuscheln würden, da würde es auch nichts helfen, wenn das Bett doppelt so breit wäre. Tatsächlich hat es mich nicht wirklich gestört, wenn ich die ganze Nacht bewegungslos auf einer Seite lag und mich nicht umdrehen durfte, damit die Kinder es bequem haben. Auch die Beengtheit empfand ich eher als Geborgenheit.

Vertraue dir…

Im Grunde war also alles gut. Fast. Kinder sind so verschieden und das kleine Winterkind vermittelte mir immer öfter den Eindruck, dass es fast besser schlafen würde, je mehr Platz es hat. Es drehte sich Nachts wie der Zeiger einer Uhr im Kreis. Bollerte mit den Füßchen auf die Matratze – oder auf seinen Bruder, wenn er das Pech hatte zu nah zu liegen. Das war der eine Grund. Der andere: unser großer Sohn braucht unsere Nähe sehr stark und darf sie auch immer haben. Aber wir hatten das Gefühl, ein Umzug zusammen mit seinem kleinen Bruder in das eigene Zimmer könnte ihn stärken und ihm Selbstvertrauen schenken.

Ein Zeichen: Du kannst auch ohne unmittelbare Nähe zu uns bestehen und sicher und gut schlafen.

Vertraue dir, wollten wir ihm vermitteln. Immer mit der klaren Botschaft: wenn du merkst, du kannst nicht gut schlafen, darfst du immer zurück zu uns in das Elternbett.

Soweit so gut. In einer mittelgroßen Aktion zogen wir aus unserem Schlafzimmer aus und wandelten es zum Kinderzimmer um. Die Kinder sollten so mehr Platz haben und weiter in dem Raum schlafen können, den sie bereits kennen.

Drei harte Nächte

Am ersten Abend waren die Kleinen ordentlich verwirrt. Das Winterkind mit seinen bald zwei Jährchen war vollkommen perplex und weinte ob der Verwirrung arg. Bis er mit dem Fingerchen auf das Bett im Kinderzimmer zeigte und dort zum Schlafen gebracht werden wollte. Das Sommerkind wollte erstmal davon gar nichts wissen und zog es vor im Elternbett zu nächtigen. Durfte er ja auch, haben wir ihm versprochen. Also blieb je ein Elternteil bei einem der Kinder.

Am zweiten Abend erklärten wir dem Großen, dass er natürlich weiterhin bei uns schlafen könne – aber die Gutenachtgeschichte gebe es nur im Kinderzimmer. Fand er nicht so gut, zunächst. Aber ich habe ich versichert: wenn du danach im neuen Bett nicht gut einschlafen kannst, kannst du wieder zu uns kommen. Zwar schlief er dann problemlos ein – aber das Winterkindchen bekommt scheinbar die letzten, ausstehenden Backenzähne, so dass ich den Mini im laufe der Nacht zu uns nahm, damit der große Bruder halbwegs schlafen kann. Wieder teilten wir Eltern uns auf.

Abend 3, vollkommene Erschöpfung. Das Zubettbringen war bei keinem Kinder ein Problem. Sie lagen aneinander gekuschelt dort. Wir wollten sie trotzdem nicht gleich alleine dort lassen und vereinbarten, dass mein Partner die Nacht noch einmal bei ihnen verbringen würde. Mitten in der Nacht: das Bett ist nass (das kam bislang erst zweimal vor, also eigentlich kein Thema), alles abgezogen, Kind umgezogen, alle ins Elternbett, puh.

Nach drei harten Nächten plötzlich die Wende.

Ich will es nicht verschreien, es ist ja noch ganz frisch. Aber die Kinder schlafen nun in ihrem Bettchen zusammen ein. Das Sommerkind kommt im Laufe der Nacht, bzw. in den frühen Morgenstunden zu uns rüber. Der kleine Mann meldet sich irgendwann gegen sechs Uhr morgens, bzw. ist heute auch zum ersten Mal selbst aufgestanden.

Wie geht es mir damit?

Der Abschied vom Familienbett ist so bitter-sweet. Mir fehlt die gewohnte Nähe, der Duft der Kinderhaut, das gemeinsame Aufwachen. Aber ich schlafe besser. Tief und gut und mit Platz. Ich fühle mich gut und glaube, dass es auch den Kindern gut damit geht. Wir alle sind wieder gewachsen, ein kleines Stück. Wir haben uns nicht voneinander entfernt, nur weil wir es räumlich getan haben. Im Gegenteil, ich habe fast das Gefühl, dass es für die Kinder eine neue Ebene des Vertrauens ist zu wissen:

Mama und Papa sind immer für uns da, auch wenn wir sie gerade nicht sehen können…

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