Strange Times – mein Start ins neue Jahr

26. Januar 2020

„We live in strange times“, sagte Thome Yorke in Stephen Colberts Late Night Show. Ja. Merkwürdig sind diese Zeiten. Vielleicht waren sie das auch schon immer, nur tritt die Absurdheit so offen zu Tage, denke ich mir. Inzwischen kenne ich viele Menschen, die das geradezu belastet. Auch über mich legt sich an manchen Tagen eine seltsame Schwere. So ein Mix aus, wohin-soll-das-führen und Machtlosigkeit. An anderen Tagen geht es dann wieder und ich fühle mich nicht ganz so überrollt und ausgeliefert. Ich suche nach „guten Nachrichten“ und Optimismus, das hilft. Wie zum Beispiel der Artikel von Michael Liebreich, der immerhin meint, ganz so schlimm, das worst-case-scenario des Weltklimarats könne nicht mehr eintreffen, weil sich ja nun doch schon einiges in die richtige Richtung bewegt hätte. Und ja, selbst McKinsey hat erkannt, dass Klimaschutz kein Luxusthema ist, sondern unumgänglich. Wer hätte das gedacht. Ich darf nur nicht zu sehr weiter denken. Denn selbst wenn nicht der allerschlimmste Fall eintreten würde, sondern sich die Erde nur um 2 Grad Celsius erwärmen würde, wäre das mit extremen Umbrüchen, Überschwemmungen, Unwettern verbunden. Wir stehen jetzt bei 1,2 Grad Celsius, by the way.

Auf der Demo „Wir haben es satt“
Erste Demo des Jahres: „Wir haben es satt“

Autonomiephase, Baby!

Eigentlich aber wollte ich nicht schon wieder über Klimaschutz schreiben. Sondern über das Leben, wie es ist. Und wie wir in das neue Jahr gestartet sind. Sagen wir so: es war anstrengender als gedacht. Der Kleinste hat sich gleich mal fett erkältet und so fielen gleich wieder einige Arbeitstage flach. Mitgeliefert mit einem fiebrigen Kind und wenig Schlaf: diese Zerrissenheit, in mir drin. Weil ich so Bock auf meine Arbeit habe und die Themen, die ausgerechnet in dieser Woche behandelt wurden. Aber klar: das kranke Kind geht vor und brauchte uns in der Zeit besonders. Zwei Jahre alt und immernoch ein Tragekind. Ehrlichweise fand ich diese Nähe und diese Kuschelzeit in diesen Tagen auch ziemlich schön. Wir spüren die Transformation vom Baby zum Kleinkind ist in vollem Gange, immer stärker tritt die eigene Persönlichkeit des Winterkinds zu Tage.

Das ist so zauberhaft. Und anstrengend. Für alle von uns.

Der kleine Mann steckt mitten in den Höhen der Autonomiephase mit allem, was so dazu gehört. Auch hier krame ich wieder meine alten Tipps aus der Schublade und experimentiere on top mit gewaltfreier Kommunikation, wenn ich es schaffe.

Mit dem Winterkind
Oh baby. Du wirst groß.

Tatsächlich muss ich sagen: Augenhöhe, liebevoller Umgang, bedürfnisorientierte Reaktion – das funktioniert wirklich am besten. Und es fühlt sich auch am besten an.

Aber ich will ehrlich zu euch sein: nicht immer schaffe ich es, bei den Zornmomenten den kleinen Buben ein stiller, klarer See zu sein und ihn aufzufangen. Manchmal bricht dann auch bei mir all der angesammelte Druck und Stress heraus und es gibt einen genervten Raunzer. Ich finde das aber nicht schlimm. Im Gegenteil: es ist die Ausnahme, aber eine, die meine Kinder auch so in der Welt immer wieder erleben werden. Unsere Familie ist eine Wohlfühlbubble, soll es sein. Aber die Kinder dürfen in dieser Bubble auch erleben, dass alle Menschen auch mal Ausbrüche haben, sauer sein können und Tränen fließen können – dass das aber nichts mit unserer Liebe zu ihnen zu tun hat und dass das eben Teil des Lebens ist und völlig ok.

Ein Hoch auf die 4-Tage-Woche!

Eine große Veränderung gibt es seit Jahresanfang übrigens definitiv, um diesen Plänen und Ideen gerecht werden zu können. Ich arbeite nur noch an vier Tagen die Woche im Bundestagsbüro, ein Tag ist jetzt fürs Recherchieren und Schreiben da. Und auch um schonmal ein paar Wäschen in die Maschine zu schmeißen und mehr vom Wochenende zu haben.

Zeit. Ach ja. Sie ist so flüchtig und schnell rum und irgendwie wird der Haufen doch nicht wirklich kleiner.

Nichtsdestotrotz gibt mir die 4-Tage-Woche Ruhe und einen sicheren Tag für mich und meine Vorhaben. Und sei es der erste Friseurtermin nach einem Jahr.

Immernoch ist mein Kopf voll. Aber ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, ein bisschen abzuspecken und insgesamt etwas weniger zu machen. Vor allem nicht mehr so viel Abends für den Blog, das Ehrenamt, das Mummy Mag zu arbeiten, sondern das nun auf den Freitag zu schieben. Ich brauche mehr Ruhe und Nicht-Erreichbarkeit. Zwar zeigt die Erfahrung schon nach den ersten Wochen: die Zeit rast schulterzuckend weiterhin und nie schaffe ich alles, was ich mir vorgenommen habe.

Aber, dann ist das eben so.

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2 Comments

  • Reply Hanna 27. Januar 2020 at 19:54

    Ach weißt du,dieses Gefühl werden wir glaube ich immer haben, nicht im Ansatz des zu schaffen, was der Kopf oder die To-do-Liste vorschreiben. Aber: wichtig ist,dass wir immer komplett in der jeweiligen Situation drin sind,dann schaffen wir genau dort das bestmögliche. Alles hat irgendwie seine Zeit.

    Alles Liebe, Hanna

    • Reply Sabine Ponath 27. Januar 2020 at 20:01

      Hey Hanna, ach ich danke dir. Du hast recht. Und eben auch anerkennen, dass es ganz normal und ok ist, nicht alles hinzukriegen…

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    Ich stimme zu.

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