Weiche Nudeln unter meiner Socke und das C-Wort

13. März 2020

Eigentlich wollte ich heute über einen Gedanken schreiben, der mich kürzlich heimsuchte. Grund dafür war eine weiche Nudel unter meiner Socke. Ich glaube ihr alle kennt das Gefühl, gerade noch so die letzten Geschirrreste vom Tisch abzutragen und plötzlich spürt man es. Dieses kalt, mehlig, feuchte Gefühl, das über die Sockenfasern durch zur Haut dringt. Boah, wie ich das hasse. Einmal ne Nudel eingetreten, kommt die ja nicht mehr freiwillig raus. Geht alternativ natürlich auch super mit Reis.

Gerade, als ich mich heute hinsetzte, um euch aufzuschreiben, was mir in Folge der batzigen Sockennudel durch den Kopf ging, erreichte mich die Meldung: ab kommendem Montag sind Kitas und Schulen geschlossen. Mein Telefon bingelte ab diesem Moment in einem fort. Die Aufregung schlug auf mich über, obwohl ich allem ja mehr oder weniger gelassen entgegen sehe.

Zugegeben: wenig beschäftigt mich beruflich in letzter Zeit so intensiv, wie das C-Wort (ja, manche in meinem Bekannten- und Freundeskreis können es verständlicherweise schon kaum mehr hören). Von dem Moment an, in dem ich in meinem Büro den Rechner hochfahre, bis zu den letzten Nachrichten vorm Schlafen gehen: es geht nur um dieses Virus. Ich wollte mich hier auf dem Blog nie dazu äußern. Jetzt aber scheint es mir fast künstlich zu sein, nicht auf unseren derzeitigen Alltag einzugehen. So zu tun, als wäre alles wie immer. Ist es nicht.

Da ich nun mitbekomme, dass einige Freund*innen verunsichert und auch ängstlich sind: ich finde, Ängste und aufgeregte Nervosität sind total nachvollziehbar. Wie sollten wir uns sicher fühlen, wenn das doch alles nie dagewesen ist. Was mir hilft, relativ ruhig zu bleiben: ich lese und höre wissenschaftlich fundierte Quellen aus Medizin und Wirtschaft. Besonders hervorheben will ich (Werbung ohne Auftrag) den Podcast des NDR mit einem der führenden Virus-Forscher Deutschlands: Christian Drosten, dem Leiter der Virologie in der Berliner Charité.

Flatten the curve

Die meisten Menschen haben ja auch mittlerweile mitbekommen, warum zum Teil drastische, ungewöhnliche Maßnahmen durchgeführt werden, die unser bisheriges Leben und unsere Freiheiten temporär (!) einschränken. Flatten the curve heißt das Stichwort. Sprich: unser Gesundheitssystem hat eine begrenzte Kapazität (die ohnehin schon nicht ideal aufgestellt war, siehe auch hier). Wenn diese Kapazität durch einen starken Anstieg an behandlungsbedürftigen C-Patient*innen gesprengt wird, droht die Versorgungssituation an Krankenhäusern zu kollabieren. Das kann umgangen werden, indem die ohnehin kommende Ausbreitung des Virus (die Rede ist davon, dass bis zu 70 Prozent der Deutschen es bekommen könnten) möglichst auf die lange Bank geschoben wird, hinausgezögert wird. Das heißt dann also nicht, dass weniger Menschen sich infizieren werden. Sondern, dass sie es zu einem anderen, späteren Zeitpunkt tun werden und so die gesundheitliche Versorgung stabiler ist.

Im Klartext heißt das: soziale Kontakte, wo es nur geht vermeiden. Hygiene-Basics berücksichtigen. Und so weiter. (Hier gibt es mehr Infos dazu)

Mich überrascht es nicht, dass die Kitas und Schulen dicht machen. Ich will mich auch nicht dazu äußern, ob das schon eher hätte passieren müssen, da es für alle Szenarien gute, wissenschaftliche Begründungen gibt und eine Entscheidung hier einfach nicht leicht war und ist. Aber ganz persönlich habe ich für den Fall einer Quarantäne vorgesorgt und für zwei Wochen 8nicht darüber hinaus) Lebensmittel zuhause. Wenn ihr das Hamstern nennen wollt, tut es. Ich halte es für einen vernünftigen Ansatz und würde es als Vorratshaltung bezeichnen. Sollte es zu einer Situation vergleichbar mit Italien (oder bald auch in Österreich) kommen, sind wir erstmal grundsätzlich versorgt und nicht auf Hilfe von außen angewiesen. Zumal ein Arbeitsplatz im Bundestag mit vielen vielen Menschen aus ganz Deutschland, vielen Gesprächsterminen, Austausch ect. als eher vulnerabel gilt, was das Ansteckungsrisiko anbelangt und ich den Fall einer Quarantäne deshalb “einplanen” musste. Nun bin ich ab nächster Woche eh erstmal im Homeoffice.

Ja, Verzicht macht schlechte Laune. Unser Urlaub im Juni: unsicher. Wir werden sicherheitshalber die gebuchten Unterkünfte innerhalb der Frist stornieren. Ich wollte mit meiner Freundin nächste Woche Wellness machen. Macht jetzt keinen Sinn mehr. Ich bin grantig und habe es mir anders gewünscht. Aber die Prioritäten sind halt auch klar.

Wir rücken näher zusammen

Angst, Verunsicherung und Sorge kann ich nachvollziehen. Wenn wir aber ehrlich sind und mal ganz unaufgeregt die Zahlen und Fakten angucken, dann geht es doch primär um Solidarität und Mitmenschlichkeit. Wir verzichten, die nächsten Wochen und Monate. Die Kinder werden ihre Großeltern wohl möglich eine Weile nur auf dem Bildschirm des Tablets sehen. Es wird sich mehr in den eigenen vier Wänden abspielen, als draußen. Pläne müssen verworfen werden. Für nicht Wenige wird auch die wirtschaftliche Situation, die Sorge um den Arbeitsplatz ein sehr ernsthaftes Thema – bei dem hoffentlich die schnellen Maßnahmen der Bundesregierung viel abfedern werden.

Wir tun das alles für die älteren und geschwächten Menschen, die unmittelbar vom C-Virus betroffen sein könnten. Wir tun das auch für die Kranken, die unbedingt auf eine gute Versorgung angewiesen sind. Für Menschen die aus anderen Gründen ein Bett auf der Intensivstation benötigen und bei einer Überlastung unmittelbar bedroht wären. Das ist gelebtes Miteinander, das niemand in Frage stellt.

#nachbarschaftschallenge

Apropos Miteinander. Österreich hat es vorgemacht und schwupps ist es – zu recht – viral gegangen. Gerade in der Situation, in der wir uns gerade befinden, ist es wichtig, dass wir alle aufeinander aufpassen. Bei uns im Haus sind alle eher in unserem Alter, aber wenn ihr wisst, dass Kranke oder ältere Menschen Hilfe benötigen: bietet ihnen diese an. Bietet an, Einkäufe zu übernehmen oder erreichbar zu sein. Das ist vielleicht ein Effekt, der noch lange nachhallen könnte: dass wir trotz körperlicher, räumlicher Distanz am Ende näher zusammengerückt sind.

Zurück zu den Nudeln

Was ist eigentlich erzählen wollte, das schreibe ich euch ein ander Mal auf. Nudeln unter den Socken, die laufen ja bekanntlich nicht davon. Jetzt stelle ich mich erstmal auf ein paar Wochen enge Familienzeit ein, was ja auch was Schönes hat. Fast schon freue ich mich auf diese zwangsverordnete Ruhe. Also bitte nicht falsch verstehen, natürlich wäre es mir lieber, es gäbe diese Situation und die Gefährdung so vieler Menschen gar nicht. Aber unter diesen Umständen, die wir nun eben hier haben, nehme ich es als einen kleinen entschleunigenden Nebeneffekt. Fragt mich in zwei Wochen noch mal 😉

Alles Gute für euch, eure Familien und Freund*innen. Passt auf euch auf, seid füreinander da, bleibt ruhig und vor allem: bleibt gesund <3

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2 Comments

  • Reply Beate Hildenbrand 14. März 2020 at 06:31

    Hallo du liebe,
    danke für deinen Beitrag 😊 .
    Allerdings wollte ich dir berichten, dass ich mich gerade im fast leeren Wellness Hotel befinde , weil viele Menschen aus Angst abgesagt hatten.
    Das kommt uns jetzt zugute.
    Angst ist und war noch nie ein guter Ratgeber. Vor was in aller Welt haben WIR denn eigentlich Angst???
    Die meisten von uns sind doch nicht einer Risikogruppe zugehörig. Zu Grippezeiten hat man doch auch nie so ein Theater gemacht.

    In diesem Sinne:
    Liebe angstfreie Grüße von
    Beate

    • Reply Sabine Ponath 14. März 2020 at 07:42

      Liebe Beate, es geht – so denke ich – nicht um Angst vor dem Virus. Sondern darum, dass Krankenhäuser nur begrenzte Kapazitäten haben und die Versorgung nicht mehr gut möglich sein wird, wenn es nicht gelingt, das exponentielle Wachstum abzuflachen. Wir werden uns jetzt die nächsten Tage an die Empfehlungen des RKI halten und soziale Kontakte minimieren.
      Liebe Grüße und alles Gute
      Sabine

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