Es geht vorbei, bye bye Stressgefühl, es geht vorbei

6. November 2020
Sabine auf einer Wiese in der Herbstsonne, Psyche, Corona, Familie

Eine Familie ist Liebe, Wärme, Lachen und Nähe. Auch mal Streit, Tränen und Krach. Klar, das muss ich euch ja nicht erzählen. Aber obwohl die Geburt meines Ältesten nun bald fünfeinhalb Jahre her ist, watscht es mich immer noch manchmal ab, wenn ich mir bewusst mache, wie viel Arbeit das System Familie auch bedeutet und wie wenig individuellen Freiraum. das fällt immer dann auf, wenn sich irgendein kleines Rädchen im gut geschmierten System mal nicht richtig dreht.

Denn ganz grundsätzlich läuft der Familienbetrieb hier ziemlich gut. Wir haben unseren Rythmus gefunden, unseren Takt. Vom morgendlichen fertigmachen für den Tag über das Wegwaschen der Kleiderberge bis hin zu gemeinsamer Spiel- und Freizeit. Alles ist im Paket, alles ist an seinem Platz. Alles ist ausgepegelt. Vor allem die Zeit mit den Kindern macht gerade richtig viel Spaß. Klar, auch die zwei Jungs haben mal schlechte Laune oder Stress, aber je älter sie werden, desto besser können wir ja miteinander sprechen und auch klären.

Zurück am Mischpult, nur ein büschn anders als früher

Es ist aber ein bisschen wie früher, am DJ-Pult: wenn sich nur ein Regler ein wenig zu sehr verschiebt, kann es krasse Misstöne geben. Krass wird es, wenn Großes passiert: Krankheit in der Familie zum Beispiel. Aber auch schon kleine Verschiebungen am Mischpult des Familienlebens können dazu führen, dass das System ins Ungleichgewicht gerät und der Alltag quietscht und knarzt. Wenn es mal einen Tag nicht klappt, die Waschmaschine anzuschmeißen. Wenn eine*r von uns beruflich mal mehr als üblich eingespannt ist. Wenn mal mehr ehrenamtliches Engagement gefordert ist, als üblich.

Gerade war es mal wieder so: gleich ein paar dieser kleinen Regler haben sich ein wenig verschoben. Die Belastung war plötzlich ziemlich groß und fett und nicht mehr im Gleichgewicht mit Ruhemomenten. Wie es mir dann geht? Ja, nicht so dolle. Ich bin gereizt, gestresst. Ich lasse meine Dünnhäutigkeit an allen aus, die sich nicht rechtzeitig in Deckung begeben. Dass ich so bin, verstärkt meine Unzufriedenheit noch.

Das einzige, was mir in diesen Momenten hilft: ich weiß, es geht vorbei. Es ist eine Phase. In meinem Kopf tönt das derzeitige Lieblingslied des großen Kindes, es läuft mindestens einmal täglich und ich mache es abgewandelt zu meinem Mantra… Es geht vorbei, bye bye Junimond, es geht vorbeieiii… Ja, Humor hilft auch.

Auf MUMMY MAG habe ich vor einer guten Weile über Mental Load geschrieben: “Das volle Gewicht der Verantwortung ist in einer Paarbeziehung bei den meisten gleichmäßig aufgeteilt. Die Einseitigkeit kommt mit der Geburt eines Kindes. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erfährt ein Drittel aller Frauen in den sieben Jahren nach der Geburt eines Kindes eine extreme Verschlechterung des mentalen Wohlbefindens. Bis hin zu psychischen Krankheiten, Depressionen und Burn Out.” // Noch ein lösungsorientierter Lesetipp: https://dasnuf.de/mental-load/

Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss

Manchmal liegt es nicht in meiner Macht, die Regler selbst wieder runter zu fahren. Manchmal ist es eben so, dass mehr zu tun ist. Das Leben läuft nicht immer in geregelten Bahnen. Ist ja nicht immer nur schlecht. Auch Höhen gibts ja immer wieder. Unvorhergesehene Überraschungen und tolle Entwicklungen.

Ich würde euch jetzt gerne das Geheimrezept dafür verraten, wie ich am besten durch die Belastungsphasen komme.

Kann ich aber nicht, weil ich hab es selbst noch nicht gefunden. Augen zu und durch ist Teil dessen. Aber auch: so oft und gut es geht, raus in die Natur. Wenn es geht alleine. Um mal nicht zu reden und stattdessen Platz für Gedanken zu haben. Was mir auch hilft: wenn der Tag so stressig ist, dass gerade mal eine halbe Stunde Mittagspause drin ist, dann gibt’s das Essen halt am Rechner und in der Pause stattdessen eine kurze Yoga Einheit.

Auch noch gut: Priorisieren. Kram auch mal liegen lassen. Und um Hilfe und Unterstützung bitten.

Am meisten hilft mir aber tatsächlich, dass ich weiß: eigentlich, also so ganz grundsätzlich, ist schon alles in Ordnung. Das pendelt sich alles wieder ein.

Und mal bitte nicht vergessen: Krisen drücken aufs Gemüt

Wir dürfen auch nicht vergessen, milde mit uns zu sein. Fühlen sich Stressmomente derzeit vielleicht intensiver an, als je zuvor? Das ist kein Zufall.

Wir haben neben unseren alltäglichen Aufgaben und Sorgen ja auch noch mindestens zwei fette Krisen, mit denen wir umgehen müssen. Zum einen die Klimakatastrophe, die weiter voran schreitet (wie man psychisch damit umgehen kann, haben wir im Podcast bei FAMILIENpolitisch besprochen).

Zum anderen die COVID-19 Pandemie mit all ihren Auswirkungen und Beschränkungen. Bezüglich letzterem sind vor allem Frauen psychisch besonders belastet. Kein Wunder: vor allem Frauen übernehmen noch immer den Hauptteil der Care-Arbeit in der Familie, den sie in der Zeit des ersten “Lockdown” mit ihren beruflichen Aufgaben neu in Einklang bringen mussten. Auch häusliche Gewalt war und ist ein Thema. Krankmeldungen aufgrund psychischer Probleme haben deutlich zugenommen. (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/) und laut Deutscher Deutschen Psychotherapeutenvereinigung nehmen die Fälle von Ängsten und Depressionen zu (Quelle: https://www.zdf.de/)

Seid ein bisschen mild mit euch

Wenn ich jetzt ein Fazit ziehen müsste – und das ist gar nicht mal so leicht, ohne Geheimrezept fürs Bessermachen – dann wäre das: seid mild zu euch. Schaut auf das, was euch gut tut. Redet darüber. Perfekt gibts nicht.

Und wenn das Stressgefühl, der Druck und die Belastung gar nicht mehr aufhören oder einfach zu groß werden, erlaubt euch auch Hilfe aufzusuchen. Ihr könnt euch dazu kostenfrei beim Mutter-Kind-Hilfswerk e.V. oder dem Müttergenesungswerk beraten lassen. Auch beim Internet-Notruf gibt es einen Überblick über Hilfs- und Beratungsangebote.

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

*