Weihnachtsgefühle – gestern und heute

1. Dezember 2020

Manchmal bin ich ein bisschen neidisch. Wie offen sich Kinder noch verzaubern lassen, ohne Zynismus. Sie lassen sich ein auf Geschichten von Zauberwesen, uralten Legenden, mystischen Orten. Am besten zeigt sich das um Weihnachten. Wie die Augen funkeln, wenn wir bei Kerzenschein die Geschichten rund um die Geburt des Jesuskindleins lesen oder gemeinsam dem Ursprung von Tannenbaum und Adventskranz auf den Grund gehen. Auch wenn wir Erwachsenen ja das Organisatorische größtenteils übernehmen – ein bisschen greift die Stimmung dann doch auf mich über. 

Apropos Kerzenschein: hier habe ich euch eine Anleitung zum Kerzen rollen aufgeschrieben. Das geht auch schon mit kleinen Kindern super.

Abschied von den Zauberwelten

Trotzdem ist es nicht mehr das selbe, klar. Irgendwann, auf dem Weg von der Kindheit in die Pubertät ist da so ein harter Schmerz gekommen, der mir klar machte: es gibt kein Christkind, keinen Nikolaus. Die Welt der Legenden – sie ist nicht real. Ich wollte so gerne daran festhalten. Weil ich diese Zauberzeit so liebte. Stattdessen brach das Gefühlschaos des Erwachsenwerdens über mich herein. Erinnert ihr euch selbst noch an diese nicht ganz leichte Zeit? (Gerade habe ich ein Buch gelesen, das diesen Übergang zwischen Kindheit und Pubertät so gut trifft, dass es mich noch einmal um Jahre zurück geschleudert hat. Es ist von Elena Ferrante und heißt “Das lügenhafte Leben der Erwachsenen” / gibts in eurer Lieblingsbuchhandlung oder hier bei Amazon – bei Kauf über den Link krieg ich ne Provision.)

Dabei war der Schmerz weniger deshalb in meiner Brust, weil ich ahnte, dass mir diverse Geschichten erzählt wurden, die nicht der nachprüfbaren Wahrheit entsprachen. Im Gegenteil. Ich liebte sie ja eben so. Kinder brauchen Träume, singt Rolf Zuckowski. Recht hat er. Märchen, Legenden, Mythen – all das ist Futter für die Fantasie, mit verständlichen Bildern werden komplexe Situationen und Probleme “gelöst” und oft sind ja auch gerade kleine Held*innen an den Lösungen beteiligt und machen Mut. Wir wandeln beim Vorlesen arg grausame Stellen in den Geschichten halt dann ab.

Im vergangenen Jahr habe ich darüber geschrieben, wie Erinnerungen bei Kindern geschaffen werden. Ab wann erinnern sich Kinder überhaupt? Und: wie sprechen wir mit unseren Kindern über den Nikolaus und Heiligabend? Hier könnt ihr das nochmal nachlesen.

More than a feeling

Jahre später, spätestens jetzt mit den Kindern aber auch schon vorher kehrte ein wenig des Zaubers wieder in mein Erwachsenenleben zurück. Wenn ich an Heiligabend ab dem späten Nachmittag alles still wird, kaum mehr Autos fahren. Hinter den Fenstern Menschen Kerzen anzünden, alles von einem warmen Licht erfüllt wird. Heute ist Weihnachten für mich Hoffnung.

Klar, so etwas Zynismus ist da auch. Wenn das Fest der Liebe zum Ultrakapitalismus ausufert und es darum geht, sich etwas zu erkaufen, was in Wirklichkeit nicht da ist. Und ja, Streit und Stress und Zerwürfnisse gibt es auch. Weihnachten ist nicht mehr in Gold und Glitzer getunkt, wie es das in meiner Kindheit war.

Aber im Großen und Ganzen ist es doch ein Fest des Beisammenseins, der Selbstlosigkeit. Mehr, als über das restliche Jahr hinweg, zumindest. Vielleicht habe ich mir aber auch nur einen Restfunken Naivität bewahrt. Ich will ihn mir hüten wie einen Schatz. Ich will das Leuchten in den Augen der Kinder sehen, den warmen Duft nach Plätzchen und Bienenwachs wahrnehmen, mir Gedanken darüber machen, wie ich meinen Lieben eine Freude machen kann. 

Letztes Wochenende hat mich der Beginn der Adventszeit ein bisschen kalt erwischt. Ich war noch gar nicht bereit, irgendwie. Aber schon als am Sonntag die erste Kerze im Kranz angezündet wurde, stellte sich das Gefühl langsam ein. Dieses Jahr wird sicherlich vieles anders als sonst. Viele Menschen, die ich gerne sehen würde, werden wir nicht besuchen. Es wird kleiner als sonst und ruhiger. Aber es ist okay, denn das Wichtigste ist für mich, dass alle gesund über diese krasse Zeit kommen. Und dann ist da ja eben die Hoffnung für das neue Jahr. Ein Jahr, das uns wieder näher an unsere Liebsten heran lassen wird. Eines, in dem wir die richtigen Weichen stellen für echten und wirksamen Klimaschutz und Biodiversität. Gut, ich gebe zu, das sind happige Wünsche ans Christkind. Aber eben: Weihnachten ist für mich das Fest der Liebe und Hoffnung.

Also hoffe ich.

Schon Plätzchen gebacken? Vielleicht habt ihr ja Lust, mal diese fluffigen Kokos-Weiße-Schokolade-Makronen zu probieren. Hier gehts zum Rezept.

kokosmakronen

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