Zurückschauen, neu beginnen. Über das alte und das kommende Jahr.

22. Dezember 2020

Dieses Jahr war das Jahr der Unsicherheiten. Altes, Bekanntes, wurde in den Grundfesten erschüttert und damit auch die Welt, so wie wir sie kennen. Im Hintergrund drohend des Ausblick drauf, dass die Pandemie vielleicht nur der Vorbote einer neuen, unsteten Zeit sein könnte. Geprägt durch die Klimakatastrophe und den Verlust der Biodiversität. Aber es war auch das Jahr der Hoffnung. Denn 2020 hat gezeigt, wie schnell die Welt reagieren kann, wenn sie muss.

Bei mir hat 2020 Spuren hinterlassen. Auf Instagram habe ich darüber geschrieben, wie ich mich fühle:

Wieso die Pandemie Frauen und Mütter besonders betroffen hat

Nicht nur ich bin erschöpft, nicht nur bei mir hat die Corona Pandemie Spuren hinterlassen. Ich bin sogar eher noch privilegiert. Ich musste nicht um meinen Job bangen. Ich hatte Entlastung durch meinen tollen Partner. Und vor allem: wir haben niemanden durch diese Krankheit verlieren müssen oder sie selbst durchlitten.

Nach 9 Monaten mit diesem Virus zeigte sich vor allem: diese Krise ist auch eine Krise der Frauen. UN Women hat ausführlich aufgezeigt, wieso vor allem Frauen an den Folgen der Pandemie leiden. Häusliche Gewalt hat noch zugenommen, etwa aufgrund von existenziellen Sorgen oder eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Plötzlich mussten alle aufeinander sitzen, es gab keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Außerdem waren Frauen häufiger durch zusätzliche Aufgaben rund um Homeschooling und Kinderbetreuung nebst Erwerbsarbeit belastet, da sie (übrigens auch schon vor Corona) mehr dieser Care Arbeit übernahmen. Corona hat das laut einer Bertelsmann Studie nicht verstärkt, aber die Ungleichgewichte traten stärker ans Licht. Ein weiterer Punkt: viele der als „systemrelevant“ gebrandeten Jobs wurden von Frauen übernommen, sei es als Kassiererin im Supermarkt nebenan oder als Pflegekraft im Krankenhaus. Was die Jobs eint: sie alle sind nicht die best bezahlten, sie alle bergen ein höheres Infektionsrisiko.

Das Jahr war politisch, das nächste wird es auch

Corona hat sehr gut offen gelegt, wie Politik unser Leben beeinflusst, wie etwa am Beispiel der Lebenssituation von Frauen und Eltern. Politik hat auch schon vor Corona unser Leben beeinflusst. Nur waren die Auswirkungen oft nur indirekt oder verzögert spürbar.

Die ganze Republik ist in diesem Jahr aber plötzlich sehr politisch geworden. Viele Menschen haben sich informiert, haben sich eine eigene, feste Meinung gebildet und sind in den Diskurs getreten. Das hat uns auch auf die Probe gestellt – und wird es weiterhin tun. Gerade, wenn im eigenen Familienumfeld oder im Bekanntenkreis Verschwörungstheorien plötzlich als Fakten gelten, wird es hart und auch schmerzhaft. Die Amadeu-Antonio Stiftung hat hierzu einen hilfreichen Guide veröffentlicht: was tun, wenn im eigenen Umfeld Fälle sind?

Ich glaube aber, dass es jenseits der Querdenker*innen auch eine positive Seite dieser Politisierung der Gesellschaft gibt: das Mitdenken. Wie wäre es, wenn wir alle beginnen würden, uns Fakten und Studien basiert mit anderen großen Fragen unserer Zeit zu beschäftigen? Mit Ungleichheit, Familienpolitik, der Klimakrise? Damit wäre doch viel gewonnen.

2020 war ein politisches Jahr, auch hier auf meinem Blog – und darüber hinaus. Zusammen mit Falk von Papa macht Sachen haben wir einen Podcast ins Leben gerufen: FAMILIEN politisch. Wir haben ganze zehn Folgen aufgenommen, unsere erste Staffel. Wir hatten tolle, schlaue und spannende Leute zu Gast und haben Woche für Woche die für uns wichtigsten Themen der Woche besprochen. Im neuen Jahr wird es damit weiter gehen. Vielleicht weniger im Wochenrückblick Format, als mehr mit politischen Schwerpunktthemen, die wir genauer beleuchten und diskutieren wollen.

2021 wird das Jahr der Chancen

Das kommende Jahr wird also politisch bleiben. Wir werden uns weiter mit dieser elendigen Pandemie herumschlagen müssen. Wir werden weiter für echten Klimaschutz eintreten müssen. Im Herbst wird’s sogar dann die Möglichkeit geben, unserer Meinung Stimmgewicht zu verleihen: im September wird ein neuer Bundestag gewählt!

Ich glaube, diese Krise wird uns aber auch Chancen eröffnen. Chancen, es eben besser zu machen. Chancen, zu hinterfragen: was ist wichtig, was kann bleiben, was für eine Welt will ich für meine Kinder? Ich hoffe auch, dass das kommende Jahr für uns alle, die erschöpft sind, die müde sind, eine Chance auf Erholung bieten wird. Und auch, dass wir unsere Lieben endlich wieder in die Arme schließen können.

2021, ich bin bereit für dich.

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